Wir haben schon immer im Schloss gelebt

Von Schlössern und den Menschen darin

Coverabbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages

Im Rahmen einer Aktion konnte ich das eBook sehr günstig ergattern – der ideale Zeitpunkt, etwas von der Autorin anzutesten. In letzter Zeit tauchte sie immer mal wieder an meinem Bildschirmrand auf. Erst später habe ich recherchiert, dass es sich bei diesem Titel um ihr letztes veröffentlichtes Werk handelt. Es kam 1962 heraus. Nur drei Jahre später verstarb Shirley Jackson.

Was ich erwartet habe

Nicht viel. Ich kenne Hill House als Hörspielversion und wusste grob, worum es geht. Eigentlich war dieses Buch als Zweitbuch gedacht. Hat nicht ganz funktioniert, ich musste es als Hauptbuch behandeln. Anders wäre ein konzentriertes Lesen nicht möglich gewesen.

Worum es geht

Die beiden Mädchen Mary Katherine (Merricat) und Constance leben gemeinsam mit ihrem Onkel Julian zusammen, recht abgeschottet von der Außenwelt des nahen Dorfes.

Aus der Sicht von Merricat geschrieben, bemerkt man schnell, dass etwas nicht stimmt. Stück für Stück erfährt man mehr von den Lebensumständen der drei Personen und der Vergangenheit, die zur jetzigen Situation führte. Denn es sind nicht mehr alle Familienmitglieder da, die da sein sollten. Weshalb das so ist, und wie es mit der Mini-Familie weitergeht, ist Thema des Kurzromanes.

Was ich bekommen habe

Der Ansatz „Zweitbuch“ war falsch. Definitiv kein Titel zum „mal eben nebenher Lesen“. Trotz des geringen Umfanges kam ich nicht schnell voran, da in den Zeilen so viel verborgen ist. Ein Überfliegen lässt die Gefahr von unaufmerksamem Lesen wachsen, was bei diesem Buch fatal ist. Trivial wirkende Sätze haben im Nachhinein sehr viel Inhalt zu bieten. So weiß ich nach Beenden der Lektüre nicht, ob ich alles erfasst und verstanden habe. In den wenigen Seiten steckt viel Inhalt.

Wie ich es fand

Verwirrend und düster. Ab Seite eins versuchte ich zu ergründen, um was es geht. Das hielt bis zum Schluss an. Teilweise war ich etwas gelangweilt von den langen Beschreibungen alltäglicher Verrichtungen – die dann umso heftiger unterbrochen wurden von plötzlich eingestreuten Wendungen und Aussagen, die alles in ein neues Licht warfen.

Auf was habe ich nicht alles getippt. Geistergeschichte, Geisteskrankheit, Traum…und ganz ehrlich gesagt weiß ich die Antwort nicht wirklich. Es gibt eindeutige Märchenelemente, aber nicht im schönen, sondern eher im rätselhaften Sinne. Merricat wirkt eine Art Magie, die so völlig selbstverständlich eingewoben wird, dass sie mir zunächst gar nicht auffiel. Was kann mehr für eine Geschichte sprechen als so eine Dynamik.

So eine Stimmung ist mir bisher selten untergekommen. Wahrscheinlich werde ich mehr von Shirley Jackson lesen. Alleine um vergleichen zu können, ob sie diese Mischung aus Banalem und Grusel erneut so komponieren konnte.

Leseprobe des Verlages

221 Seiten, Deutsch
Verlag: Psychothriller GmbH E-Book
ISBN-10: 3942261529
ISBN-13: 9783942261524

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