Die Tage der Anna Madrigal

Monarchen oder: Die logische Familie

Was ich erwartet habe

Das was es ist: den abschließenden Band einer Reihe, die ich vor 20 Jahren begonnen habe. Mit Hoffnung auf einen schönen, runden und logischen Abschluss. Nachdem ich Band acht grandios fand (finde), musste ich schnell weiterlesen und konnte es kaum erwarten. Das habe ich selten bei Büchern; dementsprechend waren hohe Erwartungen vorhanden.

Worum es geht

Übergeordnet: Um das Thema Lebensplanung, Lebensabschluss und Familie. Ist Familie nur die klassische Variante, oder gibt es andere Formen? Welche ist besser oder richtiger? Gibt es besser oder richtiger überhaupt, und wie findet man es heraus? Diese Fragen werden in allen Teilen behandelt, hier läuft es nun auf das Finale hinaus.

In diesem Teil speziell: Hauptfigur Anna Madrigal, 92 Jahre alt, ehemalige Vermieterin des Hauses der Ur-Bände, bereitet sich auf ihren Abschied aus dem Leben vor. Vorher möchte sie noch ein Thema klären, dass ihr seit sehr langer Zeit auf dem Herzen liegt. Und dieses führt sie zurück in den Ort ihrer Jugend.

Eine weitere größere Rolle nimmt Shawna ein, die für ihr Leben eine neue Richtung in die Wege leiten möchte. Michael, sein Freund Ben und sein Kollege Jake sind auch wieder mit dabei. Die meisten Charaktere der Reihe werden zumindest namentlich erwähnt.

Das Buch spielt zu großen Teilen auf dem Burning Man Festival in Nevada und dreht sich um die Vorbereitungen der Charaktere darauf.

Was ich bekommen habe

Etwas weniger Stadt als sonst und gewohnt viele Geschichten. Der Band fühlt sich an wie eine Wachablösung zwischen den alten und den neuen Figuren. Das Haus in der Barbary Lane wird nur erwähnt, die alten Zeiten sind definitiv vorbei. Interessante Einblicke in die Figur Madrigal. Ein lustiges Revival einer interessanten Figur aus dem Buch davor. Viele Drogenstories und amerikanische Anspielungen. Und die wohl schönste Erklärung des Lebensprinzips, die ich jemals las.

Wie ich es fand

Es ist schade, aber leider nicht so sehr gelungen wie ich erhofft hatte. Die Stadt fehlt, und es geht zu sehr um neue Charaktere, als um die alten. Dadurch leidet die Stimmung und der eigentliche Antrieb der Reihe. Das bisherige Prinzip von Einzelhandlungen, die sich miteinander verweben und auf ein großes Ende hinauslaufen, funktionierte hier nicht für mich.

Die Handlung um Anna war die interessanteste. Der Rest wirkt sehr gewollt, gestreckt und oft überflüssig. Oft war der Weg das Ziel in dieser Reihe. Nur endet der Weg hier kaum. Zum Ende hin wird es kurz dramatisch und emotional, Maupin zieht es jedoch nicht durch und lässt alles wieder gut werden.

Vielleicht bin ich sadistisch. Aber wäre er hier konsequent geblieben, hätte ich den Serienabschluss deutlicher in Erinnerung behalten. So endet es durchaus schön…aber langweilig. Wahrscheinlich waren meine Erwartungen und die Hoffnung auf einen Knalleffekt einfach zu hoch.

In den 70ern/80ern passten drogenvernebelte Festivals zur Handlung. Schon in den „alten“ Teilen fand ich diese Veranstaltungen nicht spannend für mich; eher etwas peinlich und nervend. Sie passten jedoch zum Zeitgeist. In einem Buch mit Handlung in der jetzigen Zeit wirkte das jetzige Festival (auf mich) völlig deplatziert und wie eine gigantische Freakshow.

Während die Handlung in „Mary Ann im Herbst“ ruhiger und nachdenklicher wurde, dreht sie hier völlig auf – und überdreht. Gerade diese Mary Ann scheint wie eine peinlich aufgeputschte Rentnerin. Kein Vergleich mit der glücklichen, in sich angekommenen Person aus Teil acht. Sehr speziell und unpassend. Warum sie jetzt schon wieder eine Wesensänderung vollzogen zu haben scheint, erschloss sich mir nicht.

Shawna ist ein Potpourri aus heutigem Hipster/Selfpublisher/orientierungslos sprunghaftem Mädel, die alle um sich herum aufscheucht. Ihre Handlung fand ich vollkommen uninteressant und nur als Lückenfüller geeignet.

Für mein Empfinden ist Band 8 der eigentliche Abschluss. Dieser endet so rund und schön, dass alles geklärt ist. Eines weiteren Teiles hätte es nicht bedurft, außer er hätte noch etwas Tolles ergänzt.

Das tut er nur nicht. So bleibt ein trauriger Abschied, da er besser sein könnte. Die ursprünglichen Geschichten werden immer meine Favoriten sein. Der halbherzig nachgeschobene Abschluss wird in meinem Gedächtnis kaum Spuren hinterlassen. Dabei hätten diese Geschichten so sehr viel mehr verdient.

 

  • Verlag:  rororo
  • Erscheinungstermin:  17.02.2017
  • 336 Seiten
  • ISBN:  978-3-499-29016-9
  • übersetzt von: Michael Kellner

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*