Ragdoll

Was ich erwartet habe

Die meisten Bücher habe ich genretechnisch im Krimibereich gelesen. Mankell/Nesbo/Edwardson/Nesser – fast alle habe ich gesuchtet. Irgendwann erschien in dem Bereich nichts interessantes mehr für mich. Zu viele Kopien der früheren Geschichten, ich hatte mich sattgelesen. Nur die Reihe von Hjorth und Rosenfeldt fand ich noch gut.

Durch das Cover und die Bewerbung wurde ich in letzter Zeit auf Ragdoll aufmerksam. Im Hinterkopf hatte ich es als Massenthriller für mich verbucht, bis ich im Laden ein wenig reinlesen konnte. Der Stil gefiel mir, sodass es gekauft werden musste. Und dieses Cover halt…

Erwartungshaltung: Hoffentlich kein klischeehafter Fließbandthriller/-krimi. Trotzdem Lust, mal wieder in dem Bereich zu lesen.

Worum es geht

Ermittler mit den üblichen Problemen (geschieden, kaputt, zu zynisch, problematische Vergangenheit) gerät in einen Fall. Eine Leiche wird gefunden, beziehungsweise 6 Leichen, von denen einzelne Körperteile zu einem einzigen Körper zusammengenäht wurden. Hübsch als Marionette drapiert. Eine Ragdoll eben.

Zusätzlich taucht eine Liste auf mit Menschen, die in naher Zukunft ermordet werden sollen – inklusive Todesdatum. Der Hauptermittler (Wolf genannt, die Anfangsbuchstaben seiner vielen Namensteile ergeben das Wort Wolf, hust) und das Team um ihn herum ermitteln. Wer sind die einzelnen Teile der Ragdoll, wie findet und verhindert man die angekündigten Opfer, und natürlich – wer war/ist der Täter?

Was ich bekommen habe/ Wie ich es fand

Der Anfang verläuft sehr klassisch…Wolf stolpert in den Fall, nach und nach kommen weitere Ermittler dazu, die Ermittlung beginnt. Was mir nach wenigen Seiten schon sehr gefiel: Trotz der vielen bekannten Elemente (und durchaus Klischees) kam für mich keine Langeweile auf. Denn es geht alles superschnell. Die Kapitel enden mit kleinen, nicht übertriebenen Cliffhangern und sind recht kurz. Diese Stilmittel kenne ich schon von anderen Autoren (Fitzek z.B.), hier passt es jedoch perfekt und wirkt wie für die Handlung gemacht.

Diese Geschwindigkeit hält ca. bis zur Hälfte an und wird dann gedrosselt. Ab diesem Punkt entstanden für meinen Geschmack einige Längen. Dennoch verliert der Autor nie den Blick für das große Ganze und steuert auf die Auflösung zu. Mir passiert es eher selten, dass ich wirklich mitrate und wissen möchte, was dahinter steckt (ich konsumiere Bücher aus diesem Genre eher und es geht mir meist mehr um die Privatgeschichten der Ermittler). Hier geschah jedoch genau das.

Zum weiteren Inhalt kann ich nicht mehr verraten – die verschiedenen Bestandteile der Handlung werden im weiteren Verlauf des Buches zu einer für mich ganz neuen Konstellation zusammen gemixt. Das Ende lässt einige Fragen offen und Platz für die Fortsetzung/en – im Januar 2018 soll es schon weitergehen.

Unter dem Strich kein völlig herausragender Titel, der größtenteils gut unterhält, teilweise überrascht und sehr solide gemacht ist. Das Buch wirkt wie gemacht für die Umsetzung in eine TV-Serie. Eine Art Londoner Version einer skandinavischen TV Serie (Kommissarin Lund / Die Brücke…)

Für die Fortsetzung wünsche ich mir transparentere Erklärungen von dem, was dort passiert. Zugegebenermaßen habe ich nicht alles komplett verstanden. Das kann ich jedoch nicht dem Buch zur Last legen, sondern eher mir.

Kriminalroman
Aus dem Englischen übersetzt von Conny Lösch
480 Seiten
ISBN 9783548289199
Auch als E-Book erhältlich.

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