Maja Lunde: Die Geschichte der Bienen

Was ich erwartet habe

Es war einmal….ein Buch, das plötzlich vermehrt auf Instagram zu bewundern

Die Geschichte der Bienen von Maja Lunde / Bild entstammt der offiziellen Seite des Verlags

war. Auf vielen der von mir gefolgten Profilen tauchte das Buch von Maja Lunde auf, oft positiv besprochen und hoch gelobt. Die Thematik finde ich interessant, es handelt sich um eine skandinavische Autorin (Pluspunkt für mich) und ich vertraue auf viele der positiven Meinungen in den sozialen Medien.

Daher hoffte ich auf Bieneninfos und eine schöne Sprache, mit der mich skandinavische Autoren bisher fast nie enttäuscht haben.

Ergebnis: Auch ich wollte es natürlich lesen. Mein Exemplar wurde mir – freundlicherweise – vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Worum es geht

Der Roman handelt, wenig überraschend, von Bienen. In drei verschiedenen Erzählsträngen (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft) erfährt man Hintergründe zu den Themen Erforschung, Sterben/Verschwinden der Tiere und den Auswirkungen des Bienenmangels.

Es geht auch um die jeweiligen Familien in den einzelnen Zeitebenen. Besonders das Verhältnis zwischen Eltern und ihren Kindern wird beleuchtet, überwiegend werden Vater/Sohn Beziehungen behandelt. Was erwarten die Eltern von den Kindern, und erfüllen diese die Erwartungen? Was ist wichtiger – der große „Schwarm“ Familie oder der individuelle Weg?

Wie ich es fand

Die ersten drei Kapitel haben mich völlig begeistert. Jede der Handlungsebenen wird so fantastisch eingeführt, dass ich sofort mitten im Geschehen war und das Buch nicht weglegen konnte. Die Sprache/Übersetzung ist toll gelungen, die ersten Szenen sind unglaublich stark und wecken Neugierde auf mehr.

Auf dem Level bleibt es leider nicht. Stück für Stück schreitet die Geschichte voran, jeder Protagonist erhält nach und nach seine Handlung. Die Schwierigkeit lag für mich darin, dass das Schreiten sehr langsam erfolgt. Teilweise gibt es Kapitel, in denen nichts Grundlegendes passiert. Damit habe ich generell keine Berührungsängste. Meine liebsten Bücher sind eher kopf- als handlungslastig. In diesem wird die Seitenzahl jedoch teilweise durch Wiederholungen erreicht. Das finde ich unnötig und schade – wie gesagt, nach diesem vielversprechenden Start.

Zudem fand ich einen der Charaktere sehr unsympathisch (in der Gegenwartshandlung). Seine Gedankengänge waren mir zu egoistisch und naiv. Das änderte sich das ganze Buch hindurch kaum. Durch ein Drittel der Geschichte war ich also permanent etwas genervt und konnte einigen Entscheidungen der Figur nicht ganz folgen. Auch schade: Ein bis zwei Mal trafen Figuren Entscheidungen, die überhaupt nicht zu ihrem vorherigen Handeln passten.

Eine rein subjektive Empfindung: Den männlichen Charakteren merkt man an, dass sie von einer Autorin erdacht wurden. Einige Gedankengänge passen eher zu einer weiblichen als zu einer männlichen Figur. Das fällt nicht negativ ins Gewicht, fand ich jedoch lustig – bisher war mir so etwas nie aufgefallen.

Die Handlung selbst war für mich manchmal vorhersehbar. Wie die drei Zeiten/Ebenen zusammenhängen, wird recht früh ersichtlich. Der Roman legt es sicher nicht darauf an, in erster Linie überraschend zu sein. Das funktionierte zumindest für mich nicht so sehr.

Sehr schön sind die Informationen über das eigentliche Thema: die Bienen. Man erfährt wirklich viele Hintergrundinformationen, begleitend zur Geschichte. So beschäftigt sich ein großer Teil des Buches mit der Konstruktion von Bienenstöcken, ein anderer behandelt die möglichen Ursachen des Bienensterbens. Dabei schreibt Lunde nie oberlehrerhaft, sondern sehr leicht verständlich und gut in das Geschehen eingebettet.

Unterm Strich handelt es sich für mich um einen schönen Roman. Er ist gut geschrieben und ist in sich rund. Einige Figuren handelten jedoch seltsam und blieben eher an der Oberfläche, da wäre mehr möglich gewesen.

Frau Lunde werde ich im Blick behalten; ich bin gespannt, ob (und wenn ja: was) sie weiter schreibt.



Aus dem Norwegischen von Ursel Allenstein

Originaltitel: Bienes historie
Originalverlag: Aschehoug
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 512 Seiten, 12,5 x 20,0 cm
ISBN: 978-3-442-75684-1
€ 20,00 [D] | € 20,60 [A] | CHF 26,90* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: btb

Erschienen: 20.03.2017

 

Maja Lunde wurde 1975 in Oslo geboren, wo sie auch heute noch mit ihrer Familie lebt. Sie ist eine bekannte Drehbuch- sowie Kinder- und Jugendbuchautorin. Die Geschichte der Bienen ist ihr erster Roman für Erwachsene, der zunächst national und schließlich auch international für Furore sorgte. Er stand monatelang auf der norwegischen Bestsellerliste und wurde mit dem Norwegischen Buchhändlerpreis ausgezeichnet.


Kurzmeinung Instagram:
Familienroman vor Hintergrund der Bienenforschung / des Bienensterbens.Drei verschiedene Zeitlinien, drei verschiedene Geschichten, drei Mal Bienenbezug.
Sprachlich sehr schön und viele Infos zu der Thematik, sind gut in die Handlung eingebettet.
Für mich leichte Schwächen: vorhersehbar, einige Charaktere handeln seltsam, teils handlungsarm.
Solides Buch, jedoch kein absolutes Highlight – hätte mehr in die Tiefe gehen können.

 

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