Åke Edwardson – Marconipark

Was ich erwartet habe

Nachdem Edwardson seine Reihe um Kommissar Winter nach Band zehn eigentlich beendet hatte, bin ich etwas vorsichtig mit seinen Büchern geworden. Denn nach seiner Rückkehr war es bisher nie so ganz wie früher. Es geht langsamer voran; fast könnte man sagen, dass der Kommissar auf der Stelle tritt und nicht weiter kommt in seinem Leben. Doch verzichten kann ich auf diese Reihe unmöglich. Dieser inzwischen zwölfte Teil musste demnach gelesen werden.

Worum es geht

Eine neue Mordserie in Göteborg. Scheinbar wahllos werden mehrere Menschen getötet und ihre Leichen mit einem Zettel versehen, auf dem sich jeweils ein einzelner Buchstabe befindet.

Winter ermittelt, während seine Familie sich in Marbella befindet. Ausgelöst durch den Fall erinnert er sich an Ereignisse in seiner eigenen Kindheit, die an die Oberfläche drängen. Dieser Erinnerungen tun ihm nicht gut, sodass er schwermütiger wird und unterbewusst sein Leben in Frage stellt.

Wie ich es fand

Nach wie vor liebe ich seinen Schreibstil. Die ultrakurzen, oft  nur ein-Wort-Sätze, die seltsamen Dialoge, die düstere Stimmung – für mich ein Fest. Schwedenkrimi extrem.

Über dem gesamten Buch liegt eine Bedrohung, die fast nicht greifbar ist. Das geht von Winter selbst aus, seiner Beziehung zur Ehefrau und den Kindern, seiner Vergangenheit. Es wird kaum ausgesprochen, was ihm passiert ist oder passiert sein könnte in der Kindheit. Parallel zum Fortlauf der Handlung steigt sein Alkoholkonsum und seine Entfremdung von seiner Frau.

Der eigentliche Fall ist eher klassisch und typisch für Edwardson. Er steht nicht wirklich im Vordergrund und fungiert eher als Aufmacher für die inneren Kämpfe des Protagonisten. Vieles gab es schon in vorherigen Bänden und wurde für diesen Teil neu gemischt.

Was mir fehlte, war eine Rahmenhandlung für die anderen Ermittler. Diese wurden in den anderen Teilen immer thematisiert, was dem Team mehr Tiefe gab und einige Handlungen der Personen letztendlich besser verständlich machte. In diesem Band geht es ausschließlich um Winter selbst. Außer einigen Gesprächen bekommt man von den anderen nichts mit.

Die Auflösung des Falles ist etwas vorhersehbar, die Konsequenzen aus den Erinnerungen des Kommissars bleiben aus. Das Buch endet, gemessen an der vorhergehenden Handlung, sogar relativ positiv. Und mit einer etwas seltsamen Szene, in der sich Romanhandlung und Privatleben des Autors miteinander verbinden.

Ich bin gespannt, ob es weitere Teile geben wird. Angekündigt ist bisher nur eine weitere Geschichtensammlung. Sollte dieses Buch das letzte um Erik Winter sein, wäre das Ende etwas mau. Ich möchte mehr.

Gut

Nicht so gut

  •  ich liebe dein Schreibstil
  • düstere Stimmung
  • ein Edwardson ist besser als kein Edwardson
  •  der Fall an sich ist eher flach
  • Hauptcharakter bzw. Rahmenhandlung entwickelt sich nicht weiter
  • keine Handlung für die Nebencharaktere
  • Kriminalroman
  • Taschenbuch
  • Broschur
  • 400 Seiten
  • Marconi Park
  • Aus dem Schwedischen übersetzt von Angelika Kutsch
  • ISBN-13 9783548613383
  • Erschienen: 10.02.2017

 

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