Ken Follett – Das Fundament der Ewigkeit

Was ich erwartet habe

Für mich steht Ken Follett für gut lesbare, teils sehr vereinfachte und stilistisch mittelmäßige Romane mit historischem Hintergrund. Das meine ich nicht negativ. Mit seiner Art, Dinge sehr reduziert zu beschreiben, erreicht er sicher mehr Leser als mit historischen Abhandlungen. Die Mischung aus Unterhaltung und geschichtlichen Fakten funktioniert und macht Spaß.

Nach vielen Jahren nun also Band drei seiner Romane um die englische Stadt Kingsbridge. Aus 1990 stammt der erste Teil „Die Säulen der Erde“. 2007 erschien mit „Die Tore der Welt“ die Fortsetzung. Beide habe ich gelesen. Daher hatte ich eine deutliche Vorstellung von dem, was mich erwarten könnte: Die weitere Entwicklung von Kingsbridge zu einem späteren Zeitpunkt in der Weltgeschichte. Unterstützt durch eine schöne Rahmenhandlung.

Ich habe das Buch vom Verlag zur Verfügung gestellt bekommen – vielen Dank dafür!

Worum es geht

Die Handlung setzt 1558 ein. Da es viele handelnde Charaktere gibt und die Schauplätze variieren, kann ich nur einen groben Überblick geben.

Im Kern geht es um die Glaubenskonflikte zwischen Katholiken und Protestanten im Spätmittelalter. Elisabeth I kommt an die Macht und versucht, eine Art Religionsfreiheit oder zumindest Duldung anderer Glaubensrichtungen zu etablieren. Diesem Vorhaben stellen sich die alteingesessenen katholischen Kräfte Englands und Europas entgegen.

Der wohl wichtigste Protagonist ist Ned Willard, der einer reichen Kaufmannsfamilie aus Kingsbridge entstammt. Aufgrund einiger Verwicklungen gerät er an den Hof von Elisabeth. Dort wird er letztendlich eine der führenden Persönlichkeiten, die eine Art Spionagering aufbauen, um die Königin gegen ihre Widersacher zu schützen.

Weitere Handlungsorte sind zum Beispiel Paris, die Niederlande und Spanien. Jeder dieser Schauplätze hat seine eigenen Figuren, die ihren jeweiligen Platz in den Konflikten einnehmen. Die Wege der Personen kreuzen sich teilweise, während sie um ihren jeweiligen Glauben und ihre davon abhängigen Existenzen kämpfen.

Was ich bekommen habe

Wo Follett drauf steht, ist er auch drin. Wer bereits Bücher von ihm las, wird sich also schnell zurechtfinden. Wer jedoch sehr an der Struktur der beiden Vorgänger hängt, muss sich in diesem Buch etwas umgewöhnen. Denn statt die Handlung auf Kingsbridge und den Ausbau des Ortes zu beschränken, geht es über die Ortsgrenzen hinaus. Viele Kapitel beschäftigen sich ausführlich mit Geschehnissen an anderen Schauplätzen Europas. Follett hatte sich anscheinend vorgenommen, eine Art „Sturz der Titanen“ des Spätmittelalters zu schreiben. Der Begriff Titanen fällt sogar. Wo in den Vorgängern stets der Ausbau von Kingsbridge das zentrale Thema war, sind es hier die religiösen und politischen Verwicklungen.

Die Oberen lenken, das gemeine Volk spürt die jeweiligen Folgen relativ direkt. So hängt der wirtschaftliche Erfolg vieler Menschen davon ab, welcher Glauben gerade erlaubt ist. Die Zusammenhänge veranschaulicht Follett ganz ausgezeichnet. Langwierige Entwicklungen können durch den immensen Handlungszeitraum des Buches verdichtet erklärt werden – er deckt ca. 50 Jahre ab. Eine praktische Art, dem Leser Geschichte einfach zu vermitteln.

Zwischen den historischen Gegebenheiten fällt es Ken Follett leider zusehends schwer, eine wirklich interessante Romanhandlung zu schaffen. Was in der Draufsicht auf den Setzkasten Europa gut gelingt, funktionierte für mich nicht als Geschichte der „wirklichen Leute“. Es gibt so viele Personen, Orte und Einzelstränge, dass keiner davon tief genug aufgegriffen wird, um ernsthaft zu fesseln. Kingsbridge ist nur ein weiterer Schauplatz zwischen all den anderen. Das ist sehr schade, da zumindest ich anfangs eine konsequente Weiterentwicklung dieser Stadt erwartete. Was nicht wirklich geschah. Aus dem Ort stammen einige der agierenden Personen. Eine große Rolle spielt Kingsbridge nicht. Da helfen auch stets eingestreute Verweise auf die Vorgängerbücher nicht. Sie wirkten eher plump auf mich.

Während der historische Part sehr detailliert beschrieben ist, bleiben die eigentlichen Personen nur vage und flach. Das gehört teilweise zu Folletts Stil. In diesem Buch übertreibt er es jedoch damit. Zu keinem der Charaktere konnte ich eine Bindung aufbauen. Jeder von ihnen ist so trivial, dass er komplett austauschbar ist. Hier wurde einiges an Potential verschenkt. Viele der Einzelhandlungen unterscheiden sich zudem kaum – oft geht es nur darum, wer wen aus religiösen Gründen nicht ehelichen darf. Durch einige Zeitsprünge gehen Details unter. Zum Beispiel werden so Ziele, für die zuvor viele Seiten lang gekämpft wurde, auf einmal nahezu problemlos erreicht.

Das Buch ist schön gestaltet. Die einzelnen Teile werden durch eine Zeichnung eingeleitet, es ist eine Karte des damaligen Europa mit dabei und ein Verzeichnis der wichtigsten Personen (der fiktiven und der historisch belegten). Für diese Aufmachung und die vielen Seiten ruft der Verlag den Preis von 36 Euro für das gebundene Buch auf, was in meinen Augen viel ist. Ob zu viel, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Sofern man eine reine Fortsetzung der bisherigen Teile erwartet, könnte man durch den massiven Informationsgehalt erschlagen werden und eine zentrale Haupthandlung in Kingsbridge vermissen. Lässt man sich darauf ein und erwartet keine hohe Literatur, wird man auch hier wieder gut unterhalten und informiert.

 

Gut

Nicht so gut

  • es wird viel Wissen vermittelt
  • unterhaltsam
  • schöne Aufmachung des Buches
  • viele Charaktere/Namen
  • Figuren zu flach
  • der Preis des Buches

 

Leseprobe

BASTEI LÜBBE
HARDCOVER
HISTORISCHE ROMANE
1.162 SEITEN
ALTERSEMPFEHLUNG: AB 16 JAHREN
ISBN: 978-3-7857-2600-6
ERSTERSCHEINUNG: 12.09.2017
ÜBERSETZT VON DIETMAR SCHMIDT, RAINER SCHUMACHER

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