Jean-Francois Parot – Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weißmäntel

Was ich erwartet habe

Nach der Lektüre des aktuellen Folletts und animiert durch herbstliche Stimmung, hatte ich Lust auf einen weiteren Roman vor historischem Hintergrund. Phasenweise lese ich viel in dem Genre und habe deshalb schon einige Vergleichsmöglichkeiten gesammelt.

Über das Bloggerportal wurde ich nun auf diesen Roman aufmerksam und konnte ihn erfolgreich anfordern. Dafür zunächst einen Dank an den Blessing Verlag.

Worum es geht

Im Frankreich des 1761 wird der junge (sehr junge) Nicolas Le Floch über einen verkürzten Dienstweg Polizist bzw. Ermittler für den aktuellen Polizeipräfekten von Paris. Er soll das Verschwinden seines ehemaligen Ausbilders aufklären.

Schnell muss er erkennen, dass mehr dahinter steckt und er nicht alle eigentlich nötigen Hintergrundinformationen besitzt. So begleitet man Nicolas bei seinem Herantasten an die neue Aufgabe, seinem Wachsen daran und seinen Wegen durch das alte Paris.

In Frankreich und vielen anderen Ländern sind 13 Bände der Reihe erschienen, Le Floch erfreut sich großer Beliebtheit. Eine TV Umsetzung läuft über die französischen Bildschirme.

Was ich bekommen habe

Auf den ersten Seiten hatte ich leichte Schwierigkeiten, in den Schreibstil zu finden. Einigen Gedankensprüngen konnte ich nicht direkt folgen, die Sätze erschienen mir zu abgehackt. Glücklicherweise gewöhnte ich mich dann doch schnell an die Art von Parot, die Handlung zu beschreiben, und konnte mich besser konzentrieren.

Das Buch folgt einem klassischen Krimi-Aufbau. Einleitend gelangt der Protagonist vom Land in die große Stadt, muss sich zurechtfinden und gerät alsbald in die für ihn neue Tätigkeit des Ermittlers.

Die Hauptcharaktere sind fast alle angenehm und realistisch beschrieben; besonders Nicolas macht mit steigender Seitenzahl eine Entwicklung durch. Durch die Ereignisse erlangt er schnell eine gewisse Abgeklärtheit und legt eine anfängliche Naivität ab. Sein direkter Kollege Bordeau unterstützt ihn dabei, wo er nur kann und ist so unglaublich nett, gütig und hilfsbereit, dass allein er vielleicht ein wenig zu unrealistisch erscheint. Vielleicht erhält er in den kommenden Teilen etwas mehr Profil. In diesem fungiert er manchmal als Joker in scheinbar ausweglosen Situationen.

Besonders angenehm fand ich, dass die Handlung  (natürlich) auch Schnittpunkte mit dem französischen Königshof hat. Knapp 30 Jahre vor Beginn der Französischen Revolution ist es sicher nur logisch, hier bereits Verbindungen zu knüpfen für spätere Bände. Diese Handlungsbestandteile sind zum Glück nicht omnipräsent und werden gut mit dem eigentlichen Fall verbunden – sehr gelungen. So ist der Hof für den Leser genau wie für den Protagonisten zwar immer da, jedoch auch immer auf Distanz.

Neben den schön ausgearbeiteten Figuren ist der eigentliche Star des Buches die Atmosphäre. Es ist ein klischeehafter Satz, nur stimmt er hier: Parot erweckt das Jahr 1761 zum Leben. Er schreibt so bunt und plastisch, dass ich mir oft vorstellen konnte, dass es eben genau so war damals. Aus Beschreibungen von Geruch, Wetter, Geräuschkulisse und sogar Mahlzeiten entsteht ein sehr gutes Panorama, welches nie romantisiert oder verklärt. Alles ist greifbar und wirkt stimmig. Vergleichbar ist dies für mich mit den Romanen um Anwalt Shardlake von C. J. Sansom.

Die Handlung hat viele Wendungen, die ich nicht vorhersah. Sie erfindet das Genre jedoch nicht neu und möchte das wahrscheinlich auch nicht. Viele Tatverdächtige, ein sich erst langsam entrollender Fall und zahlreiche falsche Spuren ergeben das, was man von einer Kriminalgeschichte erwartet. Die Auflösung wird nach meinem Geschmack zu ausführlich und theatralisch zelebriert. Der eigentlich noch unerfahrene Le Floch gibt sich auf einmal wie ein alter Ermittler und spielt zu sehr mit seiner Lösung. Gefühlt ein kleiner Bruch zu der Person, die auf den vorhergehenden Seiten beschrieben wurde. Oder eine zu sprunghaft erfolgte Entwicklung. Auch nicht alle Punkte werden vollkommen logisch begründet.

Das kann mein Gesamtbild nicht zerstören. Für mich ein grundsolider Krimi mit sensationell gut geschriebener, historischer Stimmung. Im Frühjahr erscheint der zweite Band. Ich kann nur hoffen, dass die Reihe auch in Deutschland ihre zahlreichen Leser finden wird und die weiteren Bände veröffentlicht werden können.

 

Gut

Nicht so gut

  • famose Atmosphäre
  • Wendungen in der Handlung
  • Entwicklung des Ermittlers
  • gute Zusatzinfos (Glossar)
  • zu lange Auflösung
  • nicht alles völlig logisch

Aus dem Französischen von Michael von Killisch-Horn 
Originaltitel: L’Enigme des Blancs-Manteaux
Originalverlag: JC Lattès

Paperback, Klappenbroschur, 480 Seiten, 13,5 x 20,6 cm

ISBN: 978-3-89667-573-6

€ 17,00 [D] | € 17,50 [A] | CHF 22,90* (* empfohlener Verkaufspreis)

Verlag: Blessing
Erschienen: 25.09.2017

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