Deborah Moggach – Tulpenfieber

Auf dieses Buch wurde ich durch Instagram und die Bewerbung der Filmumsetzung dazu aufmerksam. Die Autorin kannte ich nicht aktiv; jetzt im Nachhinein weiß ich, dass sie unter anderem die Buchvorlage für den Film „Best Exotic Marigold Hotel“ geschrieben hat.

In Tulpenfieber geht es um eine kuriose (kurze) Zeitspanne der niederländischen Geschichte: Um den Handel mit seltenen Tulpenzwiebeln entstand ein dermaßen großer Rummel, dass die Blumen börsenmäßig als Spekulationsobjekte genutzt wurden. Innerhalb kürzester Zeit gelangten viele Bürger so zu großem Reichtum. Doch der neue Markt brach bald zusammen, sodass es genau so schnell wieder nach unten ging und Existenzen zerstört wurden.

Vor diesem Hintergrund siedelt Moggach ihre Geschichte an. Sophia ist die (sehr junge) Ehefrau des Kaufmannes Cornelis (deutlich älter) und fühlt sich in seinem Haushalt wie in einem goldenen Käfig. Der Porträtmaler Jan soll das Ehepaar auf der Leinwand festhalten. Sophia und Jan verlieben sich ineinander und beginnen eine Affäre. Um ein gemeinsames leben führen zu können, greifen sie zu immer radikaleren Mitteln, die immer größere Auswirkungen auf alle Beteiligten haben. Denn auch die Magd Marie gelangt mit in die Verkettung der Umstände, sodass die Protagonisten auf ein dramatisches Finale zusteuern.

Für meine Begriffe ist dieses Buch der fast perfekte historische Roman. Die Geschichte an sich ist nicht neu; ihre Präsentation dagegen extrem unterhaltend gestaltet – ich konnte das Buch kaum weglegen. In recht kurzen Kapiteln wird das Geschehen aus wechselnden Perspektiven erzählt und so schnell Spannung erzeugt. Da man die Situation aus jedem Blickwinkel erlebt und so den Gesamtüberblick hat, sieht man oft bereits drohendes Unheil, welches die Figuren nicht mal ahnen. Das ist kein neues Stilelement, hier funktioniert es jedoch wirklich toll.

Herausragend fand ich die Atmosphäre des alten Amsterdam. Vielleicht hilft es, dass ich schon einmal dort war – ich denke, dass auch jeder andere Leser ein sehr gutes Bild von der damaligen Stimmung der Stadt erhält. Sehr oft beschreibt Moggach Licht und Gerüche, Geräusche und Wetter in einer so plastischen Art, dass zumindest ich ein reales Bild im Kopf erhielt.

Der Plot ist wie erwähnt nicht zu innovativ. Viele Elemente sind auch in durchaus seichteren TV-Serien zu finden. Das ewige Thema Liebe und den sich daraus ergebenden Verwicklungen und Dramen hat die Autorin dennoch sehr kurzweilig gestaltet. Einige Kniffe haben mich durchaus überrascht, da sie unerwartet sind und die Geschichte in eine andere Richtung als vermutet treiben. Allzu oft kommt dieses jedoch nicht vor.

Auch erwähnenswert: Keinen der Protagonisten fand ich unsympathisch. Jede Figur hat nachvollziehbare Gründe für ihr Handeln, es ist alles logisch und verständlich. Jedes Motiv ist echt und stammt aus dem realen Leben. Selbst Cornelis, Prototyp eines „alten Mannes mit junger Frau“, handelt nie bösartig und aus vollster Überzeugung, das richtige zu tun. Von allen gefiel er mir am besten.

Für mich ein rundum gelungenes Buch, an dem ich keine wirklichen Schwachpunkte gefunden habe und das mich sehr gut unterhalten hat. Es ist für jede Person geeignet, die sich auch nur annähernd für Amsterdam interessiert, historische Settings mag und mithilfe einer nicht zu komplexen Story abschalten möchte.

  • Taschenbuch: 283 Seiten
  • Verlag: Insel Verlag; Auflage: 2 (11. September 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3458361707
  • ISBN-13: 978-3458361701

gelesen vom 18.02. -24.02.