Mareike Fallwickl – Dunkelgrün fast schwarz

Schon weit vor Veröffentlichung wurde auf den Erstling der Buchbloggerin Mareike Fallwickl aufmerksam gemacht – per Instagram sah ich dann auch das wunderschöne Cover, war angefixt und fragte das Buch beim Verlag an. Die Frankfurter Verlagsanstalt hat es mir dann tatsächlich (super nett und unkompliziert) zur Verfügung gestellt. Ein großes Dankeschön für den netten Kontakt und, natürlich, auch das Buch!


Die Geschichte spielt in Österreich, genauer gesagt dort in Hallein, dem Heimatort der Autorin. Marie zieht mit ihrem Sohn Moritz in die kleine Stadt. Dort lernt sie relativ schnell eine andere junge Mutter kennen, die Kinder befreunden sich quasi sofort miteinander. Fortan sind Moritz und Raffael ständig zusammen, teilen Kindergarten- und später auch Schulzeit miteinander. Das Buch beschreibt ihre gemeinsame Zeit und die Art ihrer Freundschaft. Denn Raffael ist bereits als Kind sehr dominant und lenkt Moritz in nicht immer positive Richtungen. Erst als die neue Schülerin Johanna im Ort auftaucht, bieten sich Chancen für Moritz, sich etwas von Raffael zu lösen.

In einer weiteren Zeitebene beschreibt die Autorin Geschehnisse, die eher in der Gegenwart stattfinden. Man erfährt, weshalb die „Freundschaft“ der drei Protagonisten in ihrer späten Jugend auseinander lief und wie ihre Wege sie langsam wieder zueinander führen. Kapitelweise wird wechselnd aus der Sicht der verschiedenen Akteure be- und geschrieben.


Zugegeben – ich hatte anfangs meine Schwierigkeiten mit dem Buch. Der Einstieg wollte für mich nicht so fließen, die Personen kamen mir sperrig vor, die Handlung erschien wie kaum vorhanden. Zeitweise konnte ich nicht wirklich etwas greifen, um mich damit beschäftigen zu können. Das besserte sich mit zunehmend zurückgelegter Seitenanzahl und ich konnte mich auf das ganz eigene Tempo der Geschichte einstellen.

Der Plot selbst ist gefühlt fast Nebensache. Alles Wichtige spielt sich auf emotionaler und psychischer Ebene ab. Die Geschehnisse sind dabei jedoch teilweise harter Tobak; wer mit expliziten Sexszenen und grob körperlichem Umgang zwischen Personen nicht zurechtkommt, muss teilweise einige Passagen überspringen. Es ist kein „Game of Thrones“, jedoch auch nicht ganz ohne. Zumindest hatte ich solche Szenen zunächst nicht erwartet.

Den Schreibstil empfinde ich als wirklich gut. Fallwickl schreibt poetisch-bildhaft und mit vielen tollen Einfällen, die ich so noch nicht gelesen habe.

Was mir die diverse Sperren im Kopf bereitete, war die Art und Weise, wie die Protagonisten teilweise handeln. Ich verstand nicht, weshalb Raffael so bestimmend ist. Weshalb Moritz sich fast alles gefallen lässt. Weshalb er und Johanna so fixiert auf ihren „Freund“ sind. Häufig wollte ich die Figuren dazu gern befragen oder zumindest schütteln, damit sie aufwachen und anders reagieren. Ging nur leider nicht. Daher begann ich irgendwann, diese Wunschvorstellungen zu unterbinden und mich einzulassen. Und ab da funktionierte die Geschichte für mich. Indem ich die Charaktere einfach machen ließ, ergab alles einen Sinn für mich.

Mittlerweile habe ich für mich beschlossen, dass genau das auch der Kern des Buches ist: Es ist nicht alles erklär- und nachvollziehbar an Menschen und deren Handlungen. Manchmal tut man, was man halt tut – auch wenn es nicht gut, richtig oder sinnvoll ist. In „Dunkelgrün statt schwarz“ fand ich eine geballte Häufung solcher Handlungsweisen vor. Es geht um die Frage, ob man in seiner Lebenssituation verbleibt und alles akzeptiert, oder ob man den Mut findet, auszubrechen. Das macht das Buch unbequem, schwer zugänglich und von vielen dunklen Gefühlen begleitet. Und dadurch sehr wuchtig und nachhaltig. Es wird nicht mein aller-allerbester Buchfreund sein, aber einer Buchfreund, der sich immer wieder in die Gedanken drängelt und nicht gehen will und wird.

Ich bin sehr gespannt darauf, was von der Autorin noch kommen mag.


  • 480 Seiten
  • Debütromane in der FVA
  • 2018
  • Hardcover
  • ISBN 9783627002480

Gelesen vom 01.02. – 17.02.

Ich habe das Buch als kostenfreies Leseexemplar vom Verlag erhalten – dafür vielen Dank!