Maja Lunde – Die Geschichte des Wassers

Die Geschichte der Bienen gehört gefühlt wohl zu den beliebtesten und erfolgreichsten Neuerscheinungen aus 2017, auch ich habe es gelesen und für gut (mit Einschränkungen) befunden-> Rezension
Den frisch erschienenen Nachfolger wollte ich daher auf jeden Fall ebenfalls lesen, um zu erfahren, ob meine damaligen Kritikpunkte nun weggefallen sind. Und weil Maja Lunde toll schreiben kann.
Ich habe dieses Buch vom Verlag über das Bloggerportal als kostenfreies Leseexemplar erhalten. Vielen Dank dafür.

In Band zwei des geplanten Klima-Quartetts geht es nun also um Wasser. Lunde schreibt ihre Geschichte dieses Mal über zwei statt drei Zeitebenen:

In 2017 begleiten wir die ältere Norwegerin Signe auf ihrem Weg nach Frankreich, um dort ihren ehemaligen Lebenspartner mit einer für sie gewichtigen Frage zu konfrontieren. Weshalb möchte er aus einem Gletscher im heimischen norwegischen Ort Profit schlagen, wo er doch einst gemeinsam mit Signe gegen den Naturkapitalismus kämpfte?

In 2041 ist der Franzose David gemeinsam mit seiner kleinen Tochter auf der Flucht vor Hitze und Hunger. Eine jahrelange Wasserknappheit hat die südeuropäischen Länder ins Chaos aus Gebietskriegen und Elend getrieben. In den Wirren wurden Vater und das Mädchen von der Ehefrau und ihrem anderen Kind getrennt. In einem Flüchtlingslager wollte sich die Familie wieder zusammenschließen – doch dort treffen David und Lou nicht auf den Rest der kleinen Familie. Beide Erzählstränge wechseln sich Kapitel für Kapitel ab, und so erfährt man nach und nach die Zusammenhänge.

Die Reduzierung der Handlungsebenen ist mir direkt positiv aufgefallen. Im Bienenbuch war eine der Zeiten nahezu überflüssig und vollkommen ereignisarm, wodurch Lunde hier straffer erzählen kann. Mit dem Buch erhält man jedoch erneut keinen actionreichen Science-Fiction Reißer, es ist durchgängig langsam und leise geschrieben. Die Kunst der Autorin ist es, dennoch keine Langeweile aufkommen zu lassen. Was ihr hier besser gelingt als im ersten Band. Dort habe ich mich manchmal sehr nach mehr Handlung gesehnt, was hier sehr selten vorkam. Auch wenn sich vieles in Rückblenden und Gedanken der Protagonisten abspielt, wartete ich selten auf greifbare Geschehnisse, denn es war alles wichtig.

Alle Hauptcharaktere sind mir sympathisch und handeln in Anbetracht ihrer Situation logisch. Besonders die Situation im französischen Lager ist sehr beklemmend dargestellt; die langsam aufkeimende Aggression analog zum sinkenden Wasserreservoir ist durchweg beunruhigend. Nicht überdominant, sondern geschickt dosiert erzählt. Auch unheilvoll und spannend: Ob alles, was aus Sicht von David erzählt wird, den Tatsachen entspricht, war mir nicht klar. Ist es auch nach beendeter Lektüre letztlich nicht.

Manchmal hatte ich Schwierigkeiten mit den vielen nautischen Begriffen, die eingewoben sind. Sicher hätte Google geholfen, nur wollte ich nicht ständig zwischen Internet und Buch wechseln. Handlungsrelevant sind die Begriffe jedoch nicht.

Fazit: Für mich hat Maja Lunde eine noch besser erzählte Geschichte geschaffen, als es ihr mit dem ersten Teil ihrer Klima-Bücher gelungen ist. Generell runder, logischer und spannender geschrieben. Der dystopische Bestandteil wirkt für mich realer, da er näher liegt als die chinesischen Planzplantagen in Teil eins – nicht nur zeitlich, allein schon räumlich. Allgemein wirkt das Buch auch weniger konstruiert. Eine erneute Empfehlung und auf jeden Fall etwas für jeden Leser des Bienenbuches.

Auch den dritten Teil werde ich gern lesen und bin schon jetzt gespannt, welche Thematik dieser behandeln wird.

Aus dem Norwegischen von Ursel Allenstein 
Originaltitel: Blue
Originalverlag: Aschehoug
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 480 Seiten, 12,5 x 20,0 cm, 1 s/w Abbildung
ISBN: 978-3-442-75774-9
€ 20,00 [D] | € 20,60 [A] | CHF 27,90* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: btb
Erschienen:  19.03.2018

gelesen vom 23.03. – 25.03.2018