Elena Ferrante – Meine geniale Freundin

Der Hype um die vierbändige Reihe der anonymen Autorin ist lang an mir vorbeigegangen beziehungsweise ich wehrte mich erfolgreich – bis jetzt. Irgendwann wollte ich wissen, was dran ist am medienwirksam propagierten #ferrantefever und kaufte mir den ersten Teil.

Äußerlich ist das Buch wunderschön aufgemacht. Ich finde das Cover mit seinen kräftigen Farben toll, der papierne Umschlag fühlt sich schön an und der gesamte Druck ist sehr hochwertig gemacht. Im Regal sticht es heraus und sicher wirkt es umso besser, wenn alle vier Ausgaben nebeneinander dort einsortiert sind. Oder wären. Denn dazu wird es bei mir nicht kommen.

Erzählt werden mehrere Jahre an Kindheits-/Jugenderlebnissen zweier Mädchen in Neapel. In den 50er Jahren wachsen Lila und Elena dort in armen Verhältnissen auf und kommen kaum aus ihrem Viertel heraus. Durch die wirtschaftliche Situation und die Isoliertheit bleiben Reibungen nicht aus, das Umfeld ist rau und das Erwachsenwerden von Problemen begleitet.

Viel mehr kann ich zur Handlung nicht äußern, denn etwas wirklich Herausragendes geschieht nicht. Langsam plätschert das Leben in der Geschichte voran. Elena und Lila sind mal mehr und überwiegend mal weniger gut befreundet, während die kleinen Dramen aus dem Spannungsfeld elterlicher Erwartungen und kindlicher Wünsche ablaufen.

Dabei wirft die Autorin mit so dermaßen vielen Charakteren um sich, dass ich innerhalb kürzester Zeit den Überblick und größtenteils das Interesse an den Zusammenhängen verlor. Eine interessanten Handlung hätte mir geholfen, hier einen gewissen Ehrgeiz entwickeln zu können; mangels dieser fand ich die Geschichte überaus fade. Schade. Denn das Potential ist vorhanden, nur die Umsetzung ist nicht meins.

Eine Freundschaft ist es nach meinen Begriffen nicht, was die beiden Mädchen da langsam aufbauen. Stattdessen ein ständiges Wetteifern und Konkurrieren um Schulerfolge und Anerkennung. Was definitiv keine Thematik ist, die mich interessiert.

In der Hoffnung, dass mich das Fieber noch erwischt, habe ich das Buch bis zum Ende gelesen. Doch bis zum Schluss konnte ich mich nicht dafür begeistern. Es endet mitten in einer Szene, was wahrscheinlich als eine Art Cliffhanger fungieren soll. Diese Szene ist so ungeschickt gewählt, dass ich dennoch nicht wissen möchte, wie es weitergeht.

Ich habe oft nichts gegen einen Hype, doch hier empfinde ich ihn als nicht begründet und völlig überzogen. Die Reihe werde ich nicht weiter verfolgen da ich nicht davon ausgehe, dass sich meine grundsätzlichen Schwierigkeiten damit bessern werden.

22,00 € 
Erschienen: 29.08.2016
Gebunden, 422 Seiten
Aus dem Italienischen von Karin Krieger
ISBN: 978-3-518-42553-4
Suhrkamp

Gelesen vom 01.03. – 08.03

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