Truman Capote – Frühstück bei Tiffany

Schande über mein Haupt – die Titelmelodie der Verfilmung kann ich engagiert mitsummen, das Buch war mir bisher unbekannt. Diese Kulturlücke musste geschlossen werden.

Im New York inmitten des zweiten Weltkrieges lernen sich die zwei Protagonisten kennen. Sie bewohnen beide ein Miethaus in Manhattan: die 19-jährige Holly Golightly und der namenlose Erzähler, ein wenig älter als sie, brotloser Schriftsteller. Holly zieht es rastlos von Party zu Party, während sie ihren Bruder Fred vermisst und neben wechselnden Männern auch Besuch von einer frauen/herrenlosen Katze erhält. In dem Schriftsteller findet sie einen Freund. Er erlebt mit, wie die junge Frau zwecks sozialem Aufstieg mit einem zwielichtigen Mann anbändelt, der letztendlich im Gefängnis landet und Holly mit in Gefahr bringt. Auch zwischen ihm und seiner Nachbarin entwickelt sich – manchmal – etwas mehr als nur ein freundschaftliches Beisammensein. Die Frage kristallisiert sich – kann er Holly bändigen oder zumindest beschützen, bevor sie unwiderruflich in die falsche Richtig geht?

Das Büchlein habe ich an einem Tag komplett gelesen. Es ist nicht sehr umfangreich und unterhaltsam aufgebaut, sodass ich trotz des Alters der Story (Veröffentlichung 1959) gut zurechtkam. Capote schreibt für meine Begriffe sehr klar und zeitlos. Die Erzählweise ist ruhig und unaufgeregt.

Einen richtigen Bezug zu den Protagonisten konnte ich nicht herstellen. Sie waren mir permanent etwas fern und kamen mir sehr wie aus einer anderen Zeit vor, was ja auch den Tatsachen entspricht. Was genauer betrachtet für das Buch spricht. Hier funktionierte es leider nicht vollständig für mich, sodass eine Sogwirkung ausblieb. Dennoch finde ich den Ausbau und die Handlung interessant und schlüssig.

Nach und nach erfährt man mehr über Holly und ihre Motive. Der Glamour verblasst, die Realität dahinter kommt zum Vorschein und lässt sie weniger faszinierend erscheinen wie noch zu Beginn der Geschichte. Worin für mich die Aussage des Buches liegt: Unter der Oberfläche ist es anders. Das ist kein neues Thema, schon gar nicht in der Literatur. Capote beschreibt diese langsame Bloßstellung durchaus geschickt und so beiläufig, dass ich plötzlich gegen Ende die wahre Holly vor mir sah.

Und dann gibt es noch diese eine Szene, die mir viel mehr im Gedächtnis bleiben wird als das namensgebende Schmuckgeschäft. Sie hat mit einer Katze, einem Abschied und einer Reaktion zu tun und ist schlichtweg großartig rührend für mich gewesen.

Allein deswegen war ich versöhnt mit diesem modernen Klassiker. Er ist für mich kein Kultwerk oder wird mir als herausragend wichtig im Gedächtnis bleiben. Diese Szene jedoch…sie wird mir immer im Kopf herumspuken.

  • Taschenbuch: 128 Seiten
  • Verlag: Kein & Aber; Auflage: 2 (1. November 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3036959343
  • ISBN-13: 978-3036959344
  • Originaltitel: Breakfast at Tiffany’s

gelesen am 10.03.