Haruki Murakami – Die Ermordung des Commendatore Band 2

Nachdem ich den ersten Teil extrem stark fand, musste  natürlich auch die Fortsetzung direkt von mir gelesen werden. Zum Glück konnte ich das Buch schon einige Tage vor dem offiziellen Erscheinen im örtlichen Buchhandel ergattern.

Ohne Vorwort, Rückblick etc. geht es direkt weiter mit der Handlung, mit Kapitel 33. Der namenlose Protagonist fertigt ein weiteres Portrait an. Dieses Mal von der 13-jährigen Marie, welche von ihrer Tante zu den Mal-Terminen begleitet wird. Vielleicht besteht eine verwandtschaftliche Verbindung zwischen dem Nachbarn des Protagonisten (Herr Menshiki) und dem Mädchen – daher hat der Nachbar dieses Portrait selbst in Auftrag gegeben und die Hauptfigur so in das Geschehen gezogen.  Im weiteren Verlauf verschwindet Marie, und um das Mädchen zu finden, muss der Maler über sich und seine Ängste hinauswachsen.

Mir fällt auf, wie schwierig es für mich ist, die Handlung wiederzugeben. Die vorherige Lektüre des ersten Bandes ist absolut notwendig. Auch wenn Murakami oft Dinge rückwirkend erklärt, kann das Verständnis, ohne Teil eins zu kennen, ansonsten stark eingeschränkt sein. Zudem kann ich hier nicht viel mehr von der Handlung wiedergeben – es würde zu viel verraten und aus dem Zusammenhang gerissen wenig Sinn ergeben. Das Buch wurde übrigens auch in Japan in zwei Teilen veröffentlicht.

Puh. Also. An dieses Buch hatte ich wirklich hohe Erwartungen. Band eins hatte mich sehr begeistern und völlig eingesogen, auf die Fortsetzung war ich wirklich aufgeregt. Ich habe sie komplett an einem Wochenende gelesen, was mir sehr selten passiert. Das lässt leider nicht darauf schließen, wie es mir letztendlich gefallen hat. Denn ich fand es…nicht gut. Gar nicht gut.

Meine Schwierigkeiten verteilen sich auf zwei wesentliche „Störfaktoren“:

1. die Handlung an sich
2. die Fixierung auf Geschlechtsmerkmale von jungen Mädchen

Zu 1.:

Während der Protagonist in Band eins sein Leben neu ordnen muss und man ihn dabei ruhig, aber fortlaufend begleitet, ist er in Band zwei angekommen in seiner neuen Umgebung. Auf den ersten 250 Seiten werden überwiegend Gespräche zwischen ihm und dem Nachbarn Menshiki sowie dem zu malenden Mädchen und dessen Tante geführt. Das empfand ich als langweilig und von null Handlung begleitet. Die zuerst etablierte Geister/Spukgeschichte lahmt ein wenig und kommt nur am Rande vor.

In der zweiten Hälfte holt Murakami scheinbar alles zuvor Ausgelassene nach und verfrachtet die Handlung in eine Art philosophische Unterwelt, durch welche sich der Protagonist schlagen muss. Das war für mich zu viel des Guten. Zu abstrakt und kaum greifbar, zu viele Fragestellungen und Metaphern. Nun habe ich nicht viel Erfahrung mit dem Autor. Vielleicht sind seine Werke einfach so, vielleicht ist dies eines seiner herausragenden Stilelemente. Um mich dafür zu interessieren, reichte es leider nicht aus.

Gegen Ende wurde die Handlung wieder greifbarer, driftete jedoch ins Belanglose ab. Eine seifenopernartige Wendung schließt dann alles ab.

zu 2.:

Sorry, aber – wer so oft Bezug nimmt auf die nicht vorhandenen und „noch zu kleinen“ Brüste einer 13-jährigen, sollte sich vielleicht von einem Psychologen untersuchen lassen. Die Denkweise von Murakami bekam dadurch für mich einen seltsamen Beigeschmack. Was möchte der Autor damit sagen? Und muss es so oft gesagt werden, wieder und wieder? In meinem Kopf saß er beim Schreibend sabbernd vorm Bildschirm, statt eine vernünftige Geschichte zustande zu bringen. Sehr unangenehm für mich. Vielleicht hat das Ganze einen kulturellen Hintergrund oder einen, den ich nicht erfassen kann. eventuell tue ich ihm unrecht und war zu doof, hier das Wesentliche zu erkennen. In meinem westlichen Kopf haben sich dennoch Eindrücke ergeben, die kein Autor auslösen sollte.

So bleibe ich gelangweilt, ratlos und enttäuscht zurück. 1q84 steht noch in meinem Regal und wird es wohl auch noch etwas weiter tun. Denn ob ich auf so abstruse Geschichten bald wieder Lust haben werde, ist fraglich.

  • Gebundene Ausgabe: 496 Seiten
  • Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG; Auflage: 1 (16. April 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 383219892X
  • ISBN-13: 978-3832198923
  • Originaltitel: Kishidancho goroshi
  • Übersetzung von Ursula Gräfe

gelesen vom 13.04. – 15.04.