Stephen King – Der Outsider

Ich habe dieses Buch als kostenloses Leseexemplar vom Verlag erhalten, vielen Dank dafür. Die im Folgenden niedergeschriebene Meinung ist  meine eigene.

Diese Rezension wird schwierig, denn viel kann ich, ohne Wichtiges zu verraten, nicht schreiben. Vielleicht versuche ich es mit der Ausgangssituation. In Flint City wird ein kleiner Junge ermordet aufgefunden, er wurde zudem missbraucht und verstümmelt. Die Polizei gelangt schnell auf die Spur des Täters, DNA und Fingerabdrücke ergeben ein deutliches Bild. Da alles direkt am Anfang passiert, nehme ich nicht zu viel vorweg – dieser Täter ist der stadtweit bekannte Baseballtrainer. Alles sieht eindeutig aus und die Polizei- und Justizapparate erledigen ihre Arbeit.  Bis sich herausstellt, dass der Mörder gute Alibis hat. Die klar belegen, dass er nicht der Täter gewesen sein kann. Es beginnt eine Jagd nach Beweisen und Gegenbeweisen und ein Drama entspinnt sich, mit dem zu Beginn niemand rechnen konnte. Schließlich gibt es -unerwartete- Hilfe von außerhalb.

King begibt sich erneut auf Krimi-Boden und entwirft ein simples und geniales Einstiegsszenario. Der Beginn des Buches ist sehr schnell und vergeudet nicht viel Zeit mit unnötigen Dingen. Kurze Kapitel, Verhörprotokolle und reale Handlung im Wechsel, nicht zu viele Namen. Den Beginn finde ich extrem gelungen und fesselnd. Die Tat ist brutal, die Frage nach dem Täter trieb mich von Anfang an zum Weiterlesen. Besonders das langsam einsetzende Zweifeln des anfangs sehr überzeugten Polizistens  ist für mich fesselnd beschrieben und macht den Reiz des ersten Drittels aus. Chapeau an den Autor. 

Nach dem starken Start verfällt King (leider?) wieder in alte Muster und nimmt das Tempo raus, bei gleichzeitig stark steigender Zahl an Protagonisten. Von da an handelt es sich bei dem Buch um eine sehr klassische Geschichte, wie man sie von ihm kennt. Hier zugegebenermaßen mit einem Twist, den ich so nicht erwartet hatte und dementsprechend überraschend war. Ab dem Zeitpunkt findet der Leser heraus, an welchem Punkt im King-Universum das Werk einzuordnen ist. Mehr kann ich dazu nicht sagen 😉

Man erhält zwei Genres zischen den Buchdeckeln, die miteinander verwoben werden und schließlich das Gesamtbild ergeben. Dies hat mir mal mehr und mal weniger gefallen – das Buch ist nicht besonders schlecht oder besonders gut gelungen für meine Begriffe. Der sehr starke Beginn verwässert irgendwann. Wäre King mehr am Krimi geblieben und weniger an den übersinnlichen Elementen, wäre vielleicht auch meine teilweise aufkommende Langeweile ausgeblieben. Wie so oft, ist der Titel definitiv zu lang. 200 Seiten weniger hätten alles gestrafft und flotter wirken lassen. In der nun veröffentlichten Form wirken viele Passagen zu gestreckt und wie Füllmaterial. Die x-te Lagebesprechung war irgendwann nicht mehr nötig. 

Ebenfalls typisch: Nach den vielen langen Ausführungen wirkt das Ende sehr gehetzt, zu simpel gelöst und seltsam unrund. Mit dem Ausstieg aus dem Buch klappte es hier, wie häufig bei King, nicht so sehr.

Insgesamt ein solides und letztendlich klassisches Kingbuch, das die anfangs starke Richtung nicht ganz beibehält und typische Merkmale aufweist, die ich nicht so sehr an seinen Werken schätze. Dennoch deutlich besser als Sleeping Beauties – und wer wissen möchte, zu welchen anderen Geschichten des Autors es gehört muss, es eh lesen. 


Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt 
Originaltitel: The Outsider
Originalverlag: Scribner
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 752 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-453-27184-5
€ 26,00 [D] | € 26,80 [A] | CHF 36,50* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: Heyne
Erschienen:  27.08.2018