Juli Zeh – Neujahr

Das Buch habe ich als kostenfreies Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten – vielen vielen Dank dafür. 

Henning, seine Frau Theresa und ihre beiden Kinder machen Urlaub auf Lanzarote. Über die Weihnachts- und Silvestertage. Es ist Neujahr, und Henning fährt alleine per Rad einen Berg hinauf. Dabei lässt er die vergangenen Tage, sein bisheriges Leben und seine Familie in Gedanken Revue passieren. Als er oben ankommt, geht es ihm nicht gut. Bis ihm dort oben langsam alles hochkommt und er begreift, was in seinem Leben schief gegangen ist.

Dies ist die gesamte Situation des neuen Romanes von Juli Zeh. Mehr kommt da nicht. Und ich kann direkt sagen, dass ich sehr enttäuscht war und auch ein wenig ratlos darüber, was die Autorin hier fabriziert hat. Zunächst: Es sind wenige Seiten, die großgeschrieben mit breitem Rand eine sehr lasche Geschichte tragen. Diese ist aufgeteilt in zwei Abschnitte: Gegenwart und Vergangenheit. Letztere soll  Erstere erklären.

Dies wirkte auf mich so sehr konstruiert, dass überhaupt kein richtiger Fluss entstand oder ich irgendeine Bindung zu den Charakteren aufbauen konnte. Ständige Erklärungen von Hennings Radfahr-Bemühungen reihen sich an wehleidiges Mittelstandsgejammer. Ja, sicher soll das so und dadurch den Rückblick bedeutender machen. Denn irgendwie muss dieser Henning ja so geworden sein wie er nun ist. Leider interessierte es mich nicht. 

Auch seine Familie bleibt blass und wirkt wie Statisten. Bis die Gegenwartshandlung plötzlich abbricht und in vergangene Zeiten wechselt. Hier ändert sich auch der Stil. Ich fand mich in einer Art Thriller aus Kindersicht wieder; Zeh beschriebt minutiös jeden Schritt zweier sehr jungen Protagonisten. So oberflächlich der Anfang war, so ausufernd kam mir dieser Part vor. 

Aufgelöst wird alles auf wenigen Seiten, sehr gehetzt und seltsam konstruiert. Das Ende an sich wirkt wie eine Musterlösung aus Psychologieratgebern. Ich bin ratlos (oder zu doof) und weiß nicht, was die Geschichte ausdrücke sollte. Vielleicht, das Kindheitserlebnisse Einfluss auf die Entwicklung des Menschen haben? Das ist  nicht neu und wurde schon besser in Buchform festgehalten. 

Leider, zusammengefasst, für mich kein gutes Buch. Es bleibt mir schleierhaft, weshalb es veröffentlicht wurde. Als Geschichte in einer Sammlung mit anderen wäre es besser aufgehoben – aber als Veröffentlichung mit dem üblichen Rummel als eigenständiges Buch? Grenzwertig. Wie immer werden auch viele Menschen ihren Spaß mit dem Werk haben, den ich ihnen herzlich gönne. Ich bleibe ratlos zurück. 

Neujahr von Juli Zeh

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 192 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-630-87572-9
€ 20,00 [D] | € 20,60 [A] | CHF 28,90* (* empfohlener Verkaufspreis)