Stephen King – Erhebung

Dieses Buch habe ich in der Printversion ist als kostenfreies Leseexemplar vom Verlag erhalten, vielen Dank dafür. 

In den folgenden Zeilen gehe ich intensiver als sonst auf die Handlung ein – wer überhaupt nicht wissen möchte, worum es in der Kurzgeschichte geht, sollte nicht weiterlesen. 

Scott Carey lebt in Castle Rock, designt erfolgreich Webseiten für Firmen und ist auch sonst im Leben angekommen. Alles läuft gut. Bis er körperliche Veränderungen an sich feststellt. Denn die Waage zeigt auf einmal weniger Gewicht an; dabei isst er gern und viel. Was noch mehr verwundert: Trotz der schwindenden Pfunde verliert er keine Masse. Er behält seinen Wohlstandsbauch und wirkt äußerlich nicht anders als sonst. Er kontaktiert seinen alten bekannt Dr. Bob Ellis und fragt um Rat. Medizinisch ist Hilfe allerdings schwierig…Dr. Bob agiert fortan eher als mentale Unterstützung beim fortschreitenden Abnahmeprozess. Denn dieser will einfach nicht enden. 

Auch an anderer Stelle gibt es Baustellen in Scotts Leben, allerdings eher kleinbürgerlicher Natur. Der Hund der relativ neuen Nachbarinnen erleichtert sich gern in seinem Vorgarten, was zu Reibungen im netten Umgang miteinander führt. Scott möchte die Vorfälle nett mit den Beiden klären. Zumindest eine der Frauen verhält sich jedoch eher negativ ihm gegenüber, was Scott sehr zusetzt. Vielleicht liegt es daran, dass die beiden lesbisch sind und im Ort eher ausgegrenzt werden? Ihr mexikanisches Restaurant läuft nicht und sorgt so für schlechte Stimmung, die nun Scott abbekommt. 

Er beschließt, dennoch nicht locker zu lassen und sich weiterhin um Kontakt zu den Frauen zu suchen. Schließlich ergibt sich eine Gelegenheit. Scott kann seine besondere körperliche Situation mit der zwischenmenschlichen Situation verbinden – wodurch sich sein Leben und das der anderen fortan stark ändert. 

King legt hier eine Geschichte vor, die ich zunächst gar nicht lesen wollte. Zugegeben: Zwölf Euro für eine gebundene Einzelstory sind schon eine neue Preiskategorie. Zumal in der hiesigen Ausgabe die Illustrationen der amerikanischen Version leider fehlen. Doch natürlich konnte ich dann doch nicht widerstehen und musste das Buch anfragen. Zum Glück. Denn die 144 Seiten gehören mit zu dem Besten, was ich bisher in 2018 las. 

Sofern man in Versuchung kommen würde zu behaupten, King könne auch „feel-good-Geschichten“ erzählen – hier würde es passen. Die gesamte Erzählung ist für seine Verhältnisse auffallend positiv. Trott der seltsamen Ausgangslage wird es kaum düster, Scott erträgt sein Leiden und macht das Beste draus. So geht es nicht um Erklärungen, sondern um eine Beschreibung seines Umgangs mit dem Gewichtsverlust. Der Fokus liegt viel mehr auf seinen Bemühungen, sich mit den Nachbarinnen anzufreunden und das zwischenmenschliche Klima zu verbessern. Es menschelt generell sehr in dieser Geschichte. 

Horrorelemente fehlen gänzlich, stattdessen gibt es überraschend starke politische Bestandteile. Trump, die aggressive Stimmung in den USA, die Spaltung, Vorurteile gegenüber „anderen“ – dies ist der Kern. Und eben die Erhebung darüber. Das Ende ist, für meine Begriffe, sehr gut gelungen. Ja, es ist kitschig und irgendwie offen. Und dadurch absolut schön und genau richtig so. 

Eine große Leseempfehlung von mir, auch (oder gerade) wenn man schon andere Werke von ihm gelesen hat. Wunderschön. 


Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
Originaltitel: Elevation Originalverlag: Scribner
Gebundenes Buch, Pappband, 144 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-453-27202-6
€ 12,00 [D] | € 12,40 [A] | CHF 17,90* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: Heyne