Kathleen Collins – Nur einmal (Kampa)

Dieses Buch habe ich, auf meine Anfrage hin, als kostenloses Leseexemplar vom Verlag erhalten. Vielen Dank dafür.

Seit 1988 ist die Autorin verstorben, und zu ihren Lebzeiten wurde sie kaum beachtet. Dabei war sie überaus aktiv; politisch und als Regisseurin, als Schriftstellerin von Stücken und eben auch von Shortstories. Außerdem war sie Mutter einer Tochter. Die sich eines Tages traute, den Koffer im Nachlass von Kathleen zu öffnen und dort auf viel Material stieß. Die dort unter anderem  vergrabenen Kurzgeschichten wurden zunächst in den U.S.A. und durch Kampa  nun auch bei uns veröffentlicht. 16 Geschichten umfasst diese Sammlung und ein Nachwort von Daniel Kampa.

Grundsätzlich lese ich nicht viele Kurzgeschichten und empfinde es dann als schwierig, ausführliche Rezensionen zu verfassen. Die Inhalte sind einfach zu vielfältig und ich könnte ihnen nicht angemessen gerecht werden. Jedoch kann ich eines in den folgenden Zeilen tun, und das ist die Wiedergabe meiner Gefühle bei der Lektüre.

Was mir zuerst dazu einfällt: Nicht immer fand ich die Geschichten zugänglich. Oft gibt Collins nicht viele Hintergründe zu ihren einzelnen Szenarien und konzentriert sich stattdessen komplett auf die Stimme ihrer Protagonisten. Diese Stimme und die dahinterstehenden Gedankengänge waren anders als das, was ich bisher las. Von der ersten Seite an wohnt den Geschichten ein sehr besonderer Stil inne. Denn er lässt keinen klassischen, gemütlichen Lesefluss zu. Prägnant und klar ist er, teils kalt und zynisch, dann wieder hoffend und positiv. Viele Sätze gelangten ungefiltert aus den Gedanken auf dem Papier, da spürt man. Zwischen scheinbaren Nichtigkeiten schimmert immer wieder etwas hervor, was verzweifelt und einsam wirkte auf mich.

Einzelne der Erzählungen ließen mich ratlos zurück – in ihnen konnte ich keinen  „Sinn“ oder keine greifbare Aussage erkennen. Dennoch mochte ich den Stil und das Gefühl beim Lesen (einige habe ich wiederholt gelesen, das Gefühl änderte sich nicht). Andere ließen mich aggressiv zurück und ratlos, denn die handelnden Personen versuchen teilweise erfolglos, über ihre Vorbehalte hinweg zu gelangen. Und dies eint alle der enthaltenen Stories – jede dreht sich um Vorurteile zwischen „schwarz“ und „weiß“. Um das Vorhaben, diese zu bekämpfen, zu überwinden und verschwinden zu lassen. Oft ohne Erfolg.

Einige Details wiederholen sich. So nutzt Collins mehrfach die Haarlänge dunkelhäutiger Frauen als Thema. Häufig erwähnt sie den Umstand, dass auch dunkle Haut verschiedene Schattierungen haben kann und heller wirkt als bei anderen. Der Begriff „schwarz“ wird, was ich toll finde, stets in Anführungszeichen gesetzt. Und es gibt keine Verteufelung einer bestimmten Seite. So wird eine möglicher Integrationsfortschritt abwechselnd von hell-und dunkelhäutigen Figuren gebremst, jeder hat „Schuld“ und Vorurteile.

Ratlos bin ich vor allem, da ich bisher nicht ergründen konnte, ob die Autorin hoffnungslos oder hoffnungsvoll war. In einer der Geschichten scheitert eine Beziehung zwischen zwei Protagonisten unterschiedlicher Hautfarbe in den letzten Zeilen. Es schwingt die Aussage mit, dass der Unterschied einfach nicht überwunden werden könne. Niemand könne aus seiner vorbestimmten Rolle. Das ist harter Tobak.

Wie die ganze Sammlung. Sie ließ mich extrem zerrissen zurück und mit der Frage, wie viele der Zeilen autobiografisch waren – welche der Aussagen spiegeln die Autorin wirklich wieder? Aus dieser Fragestellung zieht das Buch für mich seinen Reiz. Eine große Empfehlung für jede/n Leser/in, die/der sich auf unbequeme Gefühle und ungefilterte Stimmungen einlassen möchte.



KATHLEEN COLLINS
Nur einmal
Originaltitel: Whatever Happened to Interracial Love?
Storys
Aus dem amerikanischen Englisch von Brigitte Jakobeit und Volker Oldenburg
192 Seiten | Hardcover mit Schutzumschlag
€ (D) 20,– | CHF 27,- | € (A) 20,60
ISBN 978 3 311 10002 7 | Auch als E-Book lieferbar