Anna Basener – Schund und Sühne (Eichborn)

Ich habe das Buch (sogar mit Widmung) als kostenlose Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten, vielen vielen Dank dafür.

Anna Basener habe ich vor einigen Wochen in einem Audible-Podcast der Gala zum ersten Mal bemerkt. Nun bringt sie ihr zweites Buch auf den Markt, das erste kenne ich noch nicht. Sie hat Erfahrung mit dem Schreiben von „Groschenromanen mit Adelshintergrund“, worüber sie in einem der Podcasts bereits ausführlich berichtete.

In „Schund und Sühne“ bleibt sie dieser Umgebung treu, hier kennt sie sich aus und kann ihre Erfahrungen einbringen. Was lag näher, als aus dem Vollen zu schöpfen und Romanheftchen auf ein neues Level zu heben, sie in der Realität ankommen zu lassen? Genau das versucht sie ihn ihrem Buch. Eine Heftromanautorin erhält ein privates Stipendium einer Adelsfamilie und reist für einige zeit auf deren Anwesen. Dort blickt sie hinter die Kulissen, lernt die Sprösslinge der Familie kennen (noch immer unvermählte Prinzessin und noch immer unvermählter, da schwul, Prinz) und erhält immer…intensivere…Einblicke. Das bleibt nicht ohne Folgen, für alle.

Die Prämisse des Buchs klingt gut und neu. Aus dieser Richtung hatte ich bisher nichts gelesen. Die Umsetzung hat mir leider und wieder Erwarten überhaupt nicht gefallen. Dies hat mehrere Gründe:

Der Schreibstil ließ für mich keinen Lesefluss aufkommen, denn er ist extrem abgehackt und sperrig. Sehr sehr kurze, sprunghafte Sätze, oftmals ohne Bezug und Emotionen täuschen eine Art dokumentarischen Stil vor, der irgendwie jedoch nicht zur Geltung kommt. Dabei mag ich sowas. Hier hat es mich nicht eingefangen.

Die Handlung an sich…ist wenig bis kaum vorhanden. Ich konnte in ihr keinen Sinn erkennen oder ein Ziel, auf das sie hinarbeitet. Die Figuren kreisen um sich selbst, alles dreht sich um den Fortbestand des Adelsgeschlechts, den Erhalt des Anwesens, Erbfolge. Dazwischen manchmal Auflockerungen durch Sex. Es wird getan, was man in solchen kreisen wohl tut. Dazwischen wuseln die Bürgerlichen herum und wissen auch nicht genau, warum. Nun muss man im Hinterkopf behalten, dass die Autorin wahrscheinlich nah an den „Vorlagen“ ihrer Geschichte, den Heftromanen, bleiben wollte – und diese sind nicht für sehr dichte Handlungen bekannt. Dennoch hätte für meine Begriffe ein wenig mehr Substanz geholfen. Zumindest die schwule Geschichte im Buch war angenehm leicht und angenehm klischeearm geschrieben.

Als Komödie verkauft, konnte der Humor mich leider auch nicht überzeugen. Meist konnte ich ihn gar nicht erkennen, vielleicht habe ich ihn einfach nicht verstanden. Die Charaktere wechseln zu unstet zwischen Ernst und Albernheiten, ohne klare Linie. Wer solch humoristische Stories mag, kommt wahrscheinlich mehr auf seine Kosten. Für mich scheint es nicht das passende Genre zu sein. Das musste ich schon bei Vermes feststellen. Vielleicht lasse ich es einfach.

So hinterlässt die Adelscomedy leider nicht Bleibendes für mich, dafür war sie mir zu beliebig und ohne Aussage. Der Humor war nicht meiner, der Schreibstil gelinde gesagt gewöhnungsbedürftig…Wer Lust hat, für eine kurze Zeit wirklich sehr light unterhalten zu werden, wird hier gut bedient. Ein großer Unterschied zu wirklichen Groschenromanen besteht hinter der Fassade nicht, finde ich. Ob man für 240 Seiten Paperback 18,00 Euro ausgeben möchte, ist dann noch ein ganz anderes Thema – dies entscheidet natürlich jeder selbst. 



EICHBORN
PAPERBACK
SONSTIGE BELLETRISTIK
240 SEITEN
18,00 Euro  
ISBN: 978-3-8479-0653-7