Lucinda Riley – Der verbotene Liebesbrief

Was ich erwartet habe

Sicher gehöre ich nicht in die klassische Zielgruppe der Autorin. Vor etwa einem Jahr bin ich zufällig an ihre Bücher geraten und fühle mich ganz gut unterhalten. Es sind reine Unterhaltungsgeschichten, die lustig geplottet sind. Quasi Seifenopern in geschriebener Form. Wenn es zu „romantisch“ oder kitschig wird, überblättere ich gern einige Seiten – mich interessiert eher der meist kurzweilige Aufbau.

Da es mal wieder an der Zeit für diese Art der Unterhaltung war, habe ich das Buch beim Verlag angefordert und freundlicherweise erhalten. Vielen Dank dafür!

Worum es geht

Die Journalistin Joanna Haslam erhält den Auftrag, über die Trauerfeier eines jüngst verstorbenen Schauspielers zu berichten. Auf der Veranstaltung lernt sie eine ältere Dame kennen, über die sie an einen Brief aus vergangenen Tagen gerät. Genauer gesagt einen Liebesbrief, von dem Absender (und auch der Empfänger) unklar sind. Als Joanna ahnt, dass mehr dahinter steckt und die Auswirkungen des Briefes bis in die aktuelle Zeit reicht, beginnt sie zu recherchieren.

Ein weiterer Teil der Handlung dreht sich um die Nichte des verstorbenen Darstellers, ihren Bruder und ihr Liebesleben. Nach und nach vermischen sich beide Stränge zu einem großen Ganzen. Es gibt Elemente aus Agentengeschichten und dem klassischen Riley-Thema Familiendrama.

Erst nach dem Lesen habe ich erfahren, dass das Buch im englischsprachigen Raum bereits um die Jahrtausendwende herauskam, damals unter Pseudonym. Für Deutschland handelt es sich um die Erstveröffentlichung unter richtigem Namen der Autorin.

Was ich bekommen habe

Es ist fast ein bisschen lustig – von Lucinda Riley scheinen mir ihre älteren Bücher (oder eben erst jetzt hier aufgelegten) besser zu gefallen als die neu geschriebenen. Schon beim „Engelsbaum“ fühlte ich mich mehr unterhalten als in jüngeren Titeln von ihr.

So auch hier. Der Anfang erinnerte mich etwas an Bridget Jones. Verplante Reporterin übernimmt ungewollten Job, alles geht schief. Anders als bei Riley sonst, ist das sogar wirklich lustig ge- und beschrieben. In diesen Szenen nimmt die Autorin alles nicht wirklich ernst und schreibt locker drauf los, was man sofort bemerkt. In meinen Augen sollte sie es öfter so halten, da das Geschehen dadurch nicht so statisch wirkt.

Glücklicherweise zieht sich dieser Stil größtenteils durch das ganze Buch. Es gibt Anspielungen auf Charaktere aus Agentenfilmen, lustige Dialoge und – ja wirklich – Tote. Die Liste an untypischen Riley-Elementen ist recht lang.

Viele Elemente werden erst später enthüllt. Anfangs wird man so angenehm im Dunkeln gelassen und immer wieder überrascht von den preisgegebenen Details. Dadurch ist die Geschichte an sich automatisch interessant. Entgegen  ihrer anderen Bücher steht in dieser nicht das Liebesleben der Protagonisten im Mittelpunkt, sondern tatsächlich das Mysterium um den Brief und seinen Ursprung. Zugegeben: Die Verwicklungen werden immer abstruser und komplizierter, ich habe teilweise den Überblick verloren. Und auch in diesem Buch gibt es natürlich einen gewissen Anteil an Liebeschaos, Tendenz im Verlauf jedoch eher abnehmend und nicht süßlich beschrieben.

Daher kann man ein passendes Genre schwierig zuordnen, falls man denn wollte. Ich selbst beschreibe es als Spannungsgeschichte mit Familiendrama. Wobei die Spannung nicht an wirkliche Thriller heranreicht, dafür bleibt es zu zahm. Oft zerreden die Figuren das Geschehen, statt weiter zu agieren. Längen bleiben dadurch nicht ganz aus in meinen Augen, hier fand ich sie jedoch verschmerzbar.

Zusammengefasst eines ihrer besten Bücher in meinen Augen. Wenn man auf verrückte Wendungen und leichte Unterhaltung steht, bekommt man diese hier definitiv geboten.

Es bleibt zu hoffen, dass auch ihre kommenden Werke in diesem Stil geschrieben sind, statt zu sehr in Kitsch abzudriften. Hier ist es gelungen.

Gut

Nicht so gut

  • geringer Kitschanteil
  • verrückte Wendungen
  • Handlung teilweise verwirrend
  • kleine Längen

DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Englischen von Ursula Wulfekamp
Originaltitel: Seeing Double
Taschenbuch, Klappenbroschur, 704 Seiten, 12,5 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-48406-5
€ 10,99 [D] | € 11,30 [A] | CHF 15,50* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: Goldmann
 Erschienen: 18.09.2017

Ken Follett – Das Fundament der Ewigkeit

Was ich erwartet habe

Für mich steht Ken Follett für gut lesbare, teils sehr vereinfachte und stilistisch mittelmäßige Romane mit historischem Hintergrund. Das meine ich nicht negativ. Mit seiner Art, Dinge sehr reduziert zu beschreiben, erreicht er sicher mehr Leser als mit historischen Abhandlungen. Die Mischung aus Unterhaltung und geschichtlichen Fakten funktioniert und macht Spaß. „Ken Follett – Das Fundament der Ewigkeit“ weiterlesen

Sarah Perry – Die Schlange von Essex

Was ich erwartet habe

Ich hörte von dem Buch in einem Verlagsnewsletter und kannte es zuvor überhaupt nicht. Die Kurzbeschreibung sprach mich sofort an, denn Setting und historischer Hintergrund sind genau meins. Passend zum anbrechenden Herbst. Daher zögerte nicht an und bat um ein Rezensionexemplar, welches ich freundlicherweise auch vom Verlag erhalten habe. „Sarah Perry – Die Schlange von Essex“ weiterlesen

Anthony Doerr – Winklers Traum vom Wasser

Was ich erwartet habe

Doerrs „Alles Licht, das wir nicht sehen“ war mein erstes Buch in 2017 und direkt ein großartiges. Es gehört seitdem zu meinen Lieblingsbüchern (die Art von Lieblingen, die für immer bleiben werden). Meines Wissens nach hat der Doerr bisher noch nicht viel veröffentlicht, daher wollte ich mir seine weiteren Werke gut einteilen. Doch schon neun Monate nach dem für mich ersten Doerr musste nun der nächste sein. „Anthony Doerr – Winklers Traum vom Wasser“ weiterlesen

Stephen King + Peter Straub: Das schwarze Haus

Was ich erwartet habe

Nachdem ich durch den Vorgänger (Der Talisman) endlich wieder zu Stephen King geführt wurde, habe ich sehr viel erwartet. Der erste Teil der bisher zweiteiligen Reihe wird für immer zu meinen Favoriten gehören. Dementsprechend gespannt war ich auf die Fortsetzung. Auch, weil ich teilweise kritische Meinungen gehört hatte. Ich beschloss zur Sicherheit, meine Erwartungen daher etwas zurückzuschrauben. „Stephen King + Peter Straub: Das schwarze Haus“ weiterlesen

Åke Edwardson – Marconipark

Was ich erwartet habe

Nachdem Edwardson seine Reihe um Kommissar Winter nach Band zehn eigentlich beendet hatte, bin ich etwas vorsichtig mit seinen Büchern geworden. Denn nach seiner Rückkehr war es bisher nie so ganz wie früher. Es geht langsamer voran; fast könnte man sagen, dass der Kommissar auf der Stelle tritt und nicht weiter kommt in seinem Leben. Doch verzichten kann ich auf diese Reihe unmöglich. Dieser inzwischen zwölfte Teil musste demnach gelesen werden. „Åke Edwardson – Marconipark“ weiterlesen

Donna Leon – Das Mädchen seiner Träume

Was ich erwartet habe

Die Venedigkrimis begleiten mich schon seit vielen Jahren; sie lassen sich gut und schnell lesen und eignen sich so für den kurzen Krimi zwischendurch. Es war mal wieder Zeit für etwas Leichteres nach den ganzen Stephen King Romanen. Inzwischen bin ich bei Brunetti Band 17 angelangt und wusste daher, was mich erwartet.

Worum es geht

Grob gesagt teilt sich das Buch in zwei unterschiedliche Handlungen auf: das Ableben von Brunettis Mutter und einer sich daraus entwickelnden Nebenhandlung sowie dem eigentlichen Fall. Die Leiche eines sehr jungen Mädchens wird angespült, der Kommissar ermittelt im Lebensbereich von Roma und versucht, Täter und Hintergründe zu finden. Es ist ein bisschen von allem enthalten: Kirche, Diebstahl, Randgruppen…und die üblichen Koch- und Tischgespräche der Familie Brunetti.

Wie ich es fand

Wenn eine Reihe bereit 17 Teile hat, besteht natürlich die Gefahr, dass sich zu viel wiederholt und eine gewisse Sättigung eintritt. Beides ist hier leider geschehen. Mit den Romanen von Donna Leon erhält man keine Actionreißer, das war schon immer so und macht die gemütlichen Bücher aus. Hier wird es nun zu gemütlich. Es plätschert ca. 150 Seiten vor sich hin, bis der Hauptfall beginnt. Bis dahin ist es teilweise sogar langweilig und völlig richtungslos. Kein Vergleich mit vielen anderen ihrer Bücher. Schade.

Ich konnte nicht genau erfassen, was die Autorin ausdrücken möchte. Denn es ist zu viel vermischt, jedoch zu wenig klar herausgearbeitet. So lösen sich die wenigen Ereignisse der ersten 150 Seiten fast in Luft auf. Sie haben keinen Einfluss auf irgendetwas. Natürlich ist das irgendwie lebensnah – nicht alles führt zwangsläufig zu etwas. In einem Buch erwarte ich jedoch eine dramatische Verdichtung von Ereignissen, um Interesse zu wecken. Das ist der Autorin nicht gelungen.

Zum ersten Mal nervten mich auch die allumfassenden Fähigkeiten von Signorina Elettra, die nötigen Informationen zu beschaffen. Mit diesem Joker macht Leon es sich zusehends immer einfacher, die Ermittlung unkompliziert voranzutreiben.

Das gehört sicher irgendwie dazu. Und all das weiß man bzw. wusste zumindest ich nach der Lektüre der vielen anderen Bände. Ich hoffe, dass es in den kommenden Geschichten wieder straffer und relevanter zugeht – dann fallen die erzählerischen Abkürzungen nicht so sehr ins Gewicht. Und für mich wird es weitergehen. Dafür mag ich die Behäbigkeit der Reihe viel zu sehr.

 

Gut

Nicht so gut

  •  es ist Brunetti 😉
  • Venedig schön wie immer beschrieben
  • bekomme immer Hnger beim Lesen
  • zu gemächlich – der eigentliche Fall beginnt erst nach 150 Seiten
  • es schleicht sich ein Gefühl der Routine ein 🙁
  • keine klare Linie der Handlung

 

  • Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
  • Verlag: Diogenes; Auflage: 1 (26. Mai 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3257066953
  • ISBN-13: 978-3257066951
  • Originaltitel: The Girl of His Dreams 

    Aus dem Amerikanischen von Christa E. Seibicke

 

Deborah Feldman – Unorthodox

Was ich erwartet habe

Etwas völlig Falsches. Aufgrund der wenigen Infos, die ich im Vorwege aufgenommen hatte: Eine Art reißerische „Nicht ohne meine Tochter“ in der jüdischen Version. Da ich völlig ungebildet bin, was den jüdischen Glauben angeht, erhoffte ich mir tiefere Einblicke. Gepaart mit einer spannenden Handlung. Dass es sich um wahre Ereignisse handelt, war mir bekannt. Ich bin mit dieser vorgefertigten Meinung zunächst falsch an das Buch herangegangen. „Deborah Feldman – Unorthodox“ weiterlesen