Becky Albertalli – Simon vs. the Homo Sapiens Agenda / Nur drei Worte

Bisher habe ich wenige „schwule“ Bücher gelesen, da mir oft schon die Klappentexte zu klischeehaft und billig vorkommen, sodass mir allein dadurch die Lust daran vergeht. Da dieses jüngst verfilmt wurde und mir der Trailer gefällt, wollte ich es einfach mal riskieren. Das Buch hatte ich als englisches Paperback begonnen und den Großteil dann im deutschen eBook gelesen.

Der titelgebende Simon ist 17, schwul, ungeoutet und sehr beschäftigt. Denn über eine Internetplattform wurde er auf einen anderen schwulen Jungen aufmerksam, mit dem er seit einiger Zeit regen E-Mail Austausch pflegt. So weit so gewöhnlich, aber: Die beiden Jungs kennen sich nur über diesen Weg. Obwohl sie auf die selbe Schule gehen, wissen nicht, wer sie in der Realität sind. Im Buch wird größtenteils Simons alltägliches Leben beschrieben und die Verwicklungen, die sich aus seinem größten Problem ergeben. Das darin besteht, dass er erpresst wird von einem Mitschüler, der über seine Homosexualität weiß. Und dann verliebt sich Simon langsam ernsthaft in seinen unbekannten E-Mailer…

Für diese Geschichte bin ich, leider, irgendwie zu alt. Ich kann nachvollziehen, weshalb das Buch sehr beliebt ist und durch die sozialen Medien gereicht wird und letztendlich auch ein Film daraus wurde. Nur hat die Mischung aus Rätselraten und Highschoolalltag bei mir nicht funktioniert. Simons Gedankengänge waren mir meist zu naiv und langweilig; im Kern geht es ständig nur darum:

-Simon leugnet, ein Problem mit Sachverhalt x oder Person y zu haben
-Simon hat natürlich doch ein Problem und verdrängt es sehr offensichtlich und in endlosen Gedankenmonologen
-Dazwischen tauscht er Mails mit seinem seelenverwandten Crush aus und wird immer abhängiger von diesem

Für eine gewisse Altersgruppe ist das sicherlich spannend und mitreißend. Nur habe ich persönlich schon weitaus besser ausgearbeitete innere Konflikte gelesen/gesehen, als dass ich diesen nun als herausragend empfinden würde. Leider langweilig. Zumal die üblichen Schulprobleme überwiegen. Fronten werden gebildet und zerschlagen, Gerüchte kursieren, es wird gemobbt.

Was mir jedoch gut gefiel, das muss ich dem Buch lassen, war der grundsätzlich normale Umgang mit dem Schwulsein. Simon ist sich selbst gegenüber geoutet. Er belügt sich nicht selber. Er weiß im Kern, was er will. Er hat keine Angst davor, dass seine Familie irgendwann Bescheid wissen wird. Er hat nur keine Lust, den Anfang zu machen mit den ständigen Erklärungen und Rechtfertigungen, für diese ist er noch nicht bereit. Dafür benötigter noch jemanden an seiner Seite.

Früh im Buch hatte ich eine Ahnung, wer dieser E-Mail schreibende Jemand sein könnte. Mit dieser lag ich falsch. Die relativ überraschende Wendung rettete meine Aufmerksamkeit wieder. Und zum Glück endet die Geschichte nicht einfach mit der großen Enthüllung, sondern begleitet die Figuren noch etwas weiter. 

Wenn der Film etwas mehr Tempo in die Geschichte bringt, die Figuren etwas weniger bemüht darstellt und den Ablauf etwas umstellt, kann er etwas werden. Die Vorlage selbst war leider keine herausragende für mich, sondern nur okay. 

gelesen vom 07.05. – 10.05.

Robert Menasse – Die Hauptstadt

Ein Mord ist geschehen in Brüssel, ein Schwein läuft frei herum. Und damit ist nicht der Täter gemeint, sondern ein wirkliches Schwein. Während es über die Straßen und Plätze der Stadt rennt, wird es von vielen Passanten gesehen. Unter anderem, nach und nach, auch von allen Protagonisten des Buches. So wirkt die Flucht des Tieres wie ein Startschuss der Geschichte: Hier beginnt er, der Gewinnerroman des Buchpreises 2017. „Robert Menasse – Die Hauptstadt“ weiterlesen

Ali Smith – Beides sein

Auf die Autorin wurde ich durch die – meiner Meinung nach – wunderschönen Cover ihrer beiden Bücher „Autumn“ und „Winter“ aufmerksam. Falls diese jemals hier veröffentlicht werden sollten, wollte ich vorbereitet sein und bereits etwas von ihr gelesen haben. „Beides sein“ erhielt ich als von mir angefragtes, kostenloses Leseexemplar über den Verlag – vielen Dank dafür. „Ali Smith – Beides sein“ weiterlesen

Anne Jacobs – Die Tuchvilla

Ab und an möchte ich etwas lesen, was einfach nur erzählt und nicht zu viel vom Leser erwartet; pure Unterhaltung statt zu komplexer Gedankengänge. Die Mischung macht es. Es war wieder an der Zeit, daher habe ich dieses Buch als Rezensionsexemplar angefragt und freundlicherweise erhalten. Vielen Dank dafür. Denn in den Regalen, Videobesprechungen und anderen Medien lief es mir seit einiger Zeit konstant über den Weg. Die vermehrte Beschreibung „Es ist wie Downton Abbey“ köderte mich, da ich die Serie sehr mag. „Anne Jacobs – Die Tuchvilla“ weiterlesen