Otfried Preußler – Krabat

Was ich erwartet habe

Dieses Buch habe ich in meiner frühen Jugend gelesen. In einem Anfall von Retrogefühlen und erinnert durch die Verfilmung im TV Programm kam es mir wieder in den Sinn; im Buchgeschäft musste es schließlich mit.

Nur selten lese ich ein Buch erneut. Hier war ich gespannt, ob der damalige Effekt (unheimliche Stimmung etc.) noch genauso auf mich wirken würde. Und da die Geschichte nicht allzu lang ist – kann man ja mal ausprobieren.

Worum es geht

Um 1700 wird der Waisenjunge Krabat Lehrling eines Müllermeisters und zieht zu ihm sowie den weiteren Müllersjungen in die Mühle. Die Arbeit ist erwartungsgemäß hart, sodass Krabat zunächst genug mit ihr und sich selbst zu tun hat. Nach und nach fallen ihm seltsame und unheimliche Dinge im Tagesablauf (und Nachtablauf) der Jungen auf.

Nach einiger Zeit wird Krabat eingeweiht in die Geschehnisse, und es entwickelt sich eine Geschichte um schwarze Magie, das Verteidigen der eigenen Prinzipien und die Befreiung durch Liebe.

Wie ich es fand

Das Buch ist unglaublich atmosphärisch geschrieben und hält sich nicht lange mit Ausführlichkeiten auf. Schnell ist Krabat in der Mühle angekommen, die eigentliche Handlung beginnt. Wie immer in Büchern kam ich etwas mit den vielen Namen durcheinander. Wirklich wichtig für die Geschichte sind zum Glück letztendlich nicht so sehr viele Charaktere.

Die komplette Faszination wie beim ersten Lesen damals stellte sich für mich leider nicht ein. Erzählt wird eine klassische Geschichte, in der reale und Traumszenen gemischt sind. Gegen Ende wurde es mir zu viele Träume und Visionen, sie erschienen mir wie ein Mittel zur Streckung der Handlung. Ein bisschen Grusel hier, ein wenig Verliebtheit da, das Meiste ist nur oberflächlich beschrieben und kurz angerissen.

Vielleicht tue ich dem Titel Unrecht – schließlich erzählt Preußler hier mit eigenen Worten eine Volkssage nach. Schon deshalb ist die Erzählstruktur anders als in klassischen Romanen. Für jüngerer Leser ist es perfekt, durch den geringen Umfang kommt man in der Regel schnell voran.

Manchmal war ich etwas gelangweilt, da ich zu sehr auf Überraschungsmomente warte (verzogen durch aktuellere Bücher). Von denen gibt es nicht sehr viele. Schön dagegen ist die permanent unheimliche Stimmung – es bleibt sogar komplett verborgen, wer genau die Person ist, welche teilweise nachts die Mühle nutzt…

Zusammengefasst bereue ich das erneute Lesen nicht, es war eine Art Trip in vergangene Leseempfindungen. Seit damals ist jedoch zu viel Zeit vergangen und ich habe heutzutage andere Ansprüche entwickelt.

 

EUR 8,95 € [DE], EUR 9,20 € [A]
dtv großdruck
352 Seiten, ISBN 978-3-423-25281-2
1. April 2008

Deborah Feldman – Unorthodox

Was ich erwartet habe

Etwas völlig Falsches. Aufgrund der wenigen Infos, die ich im Vorwege aufgenommen hatte: Eine Art reißerische „Nicht ohne meine Tochter“ in der jüdischen Version. Da ich völlig ungebildet bin, was den jüdischen Glauben angeht, erhoffte ich mir tiefere Einblicke. Gepaart mit einer spannenden Handlung. Dass es sich um wahre Ereignisse handelt, war mir bekannt. Ich bin mit dieser vorgefertigten Meinung zunächst falsch an das Buch herangegangen.

Worum es geht

Die Autorin beschreibt ihr Aufwachsen inmitten einer streng gläubigen jüdischen „Sekte“, die ghetto-artig isoliert in Williamsburg/New York existiert.

Unorthodox von Deborah Feldman / Bild entstammt der offiziellen Seite des Verlages zum Buch

Die Anhänger empfinden den Holocaust als Strafe Gottes und möchten mit ihrer Lebensart dafür büßen sowie einen weiteren Holocaust verhindern.

Dafür fügen sie sich in ein Leben, das bestimmt wird von strengen Regeln, Entbehrungen und ständiger Angst. Besonders die Frauen werden drastisch unterdrückt und fungieren quasi nur als Haushälterinnen und Gebärmaschinen. Öffentlich dürfen sie sich kaum zeigen; wenn sie sich nach draußen begeben, dann nur sehr verhüllt und zu bestimmten Zeiten. Vorbildliche Damen rasieren sich ihr Haar komplett und tragen Perücken. Und so weiter und so fort – eine Welt voller Regeln.

Die Erzählung setzt ein, als Deborah Feldman 13 Jahre alt ist. Sie wächst bei ihren Großeltern auf (Vater nicht in der Lage für die Erziehung, Mutter aus der Gemeinschaft ausgestiegen) und hat nie ein anderes Leben geführt. Ihr Großvater ist eine Art Gelehrter innerhalb der Gemeinde und absolut überzeugt von seinem Glauben, weiteren Einfluss übt eine energische Tante aus. Je älter die Autorin wird, desto rebellischer wird sie und versucht im Rahmen ihrer Möglichkeiten, sich kleine Freiräume zu erobern. Während sie den üblichen Lebensverlauf einer Frau innerhalb ihrer Gemeinde „abarbeitet“, summieren sich Ereignisse und Erkenntnisse, die später zu einer Abkehr von dem Glauben und seinem Reglement führen.

Wie ich es fand

Ich habe das Buch vom Verlag zur Verfügung gestellt bekommen – vielen Dank dafür.

Zugegebenermaßen anfangs schwierig. Statt der von mir erwarteten Enthüllungen aus dem Inneren einer seltsamen Sekte, beschreibt Feldman einfach ihr Leben. Familienverhältnisse werden erklärt, Tagesabläufe und die vielen vielen Feste innerhalb der jüdischen Gemeinde ausgebreitet. Der Schreibstil ist dabei stets klar und sehr konzentriert beschreibend. Ein Stil, der mir mehr liegt als zu blümerante Ausführungen anderer Autoren. Dennoch fand ich viele Seiten lang keinen Zugang. Erst als die kleine Deborah eine größere Deborah wird und mehr hinterfragt, wurde es für mich interessanter.

Daraus kann ich keinen Kritikpunkt machen – hatte ich schlicht etwas Anderes erwartet. So reißerisch wie ich dachte, war es einfach nicht.

Umso eindrucksvoller wird der weitere Verlauf der Geschichte von ihr erzählt: Welche Erniedrigungen eine angehende Braut und schließlich zwangsverheiratete Frau in dieser Glaubensrichtung ertragen muss. Wie die Gemeinschaft reagiert, wenn die neu gegründete Familie nicht so funktioniert, wie es erwartet wird. Wie Deborah Feldman beginnt, sich langsam innerlich und dann auch äußerlich zu wehren.

Es handelt sich um eine breit erzählte Entwicklungsgeschichte. Als ich das endlich erkannte, konnte ich mich völlig darauf einlassen. Es fiel mir schwer, das Buch beiseite zu legen. Während ich für das erste Drittel recht lang benötigte, folgten die beiden weiteren innerhalb kürzester Zeit und ließen mich kaum los. Auch jetzt habe ich Feldmans Erlebnisse noch nicht ganz verarbeitet.

Man kann keine vernünftige Bewertung eines biografischen Romanes vornehmen. Wer bin ich, dass ich reale Ereignisse in eine enge Schublade aus Sternen oder positiv/negativ Punkten pressen dürfte?! Der literarische Rahmen gefiel mir sehr gut – Sprache auf dem Punkt, Gedankengänge nachvollziehbar beschrieben, garniert mit stimmungsvoller New York Atmosphäre. Der eigentliche Kern jedoch, also das Leben der Autorin, spricht für sich selbst.

Ich danke Deborah Feldman für die oft sehr intimen Einblicke in ihren Werdegang. Er hat mich sehr beeindruckt.

 

Aus dem Englischen von Christian Ruzicska
Originaltitel: Unorthodox
Originalverlag: Simon & SchusterTaschenbuch, Klappenbroschur, 384 Seiten, 12,5 x 18,7 cm, 1 s/w AbbildungISBN: 978-3-442-71534-3
€ 10,00 [D] | € 10,30 [A] | CHF 13,90* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: btb
Erschienen im Taschenbuch: 19.06.2017

Stephen King: Mr. Mercedes

Was ich erwartet habe

Die Festigung meiner neu entdeckten Zuneigung zu Büchern von Stephen King. Es war ein spannendes Vorhaben: Finde ich auch andere Bücher von ihm toll, neben dem grandiosen „Der Talisman“?

Die grobe Rahmenhandlung kannte ich aus anderen Besprechungen, zum Glück war ich nicht großartig gespoilert. Nur beim Genre war ich mir noch unsicher. Ob Krimi oder Thriller/ ob realistisch oder mit übersinnlichen Elementen, war mir nicht bekannt.

Worum es geht

Ein Attentäter rast, in einem Mercedes sitzend, in eine Menschenmenge. Es gibt viele Opfer, der Täter entkommt unerkannt. Trotz intensiver Ermittlungen wird er nicht gefasst.

Jahre später ist einer der damals ermittelnde Polizisten, Bill Hodges, pensioniert. In Ehren entlassen, nur der Fall des Mercedes Killers ist ungelöst. Bill kommt mit seinem neuen, untätigen Leben nicht wirklich gut zurecht. Da erhält er eine Nachricht von Mr. Mercedes – dieser stört sich daran, dass Bill Hodges von allen als erfolgreicher Ex-Cop angesehen wird. Dabei war er aus seiner Sicht nicht erfolgreich – schließlich konnte er ihn nicht fassen.

Es beginnt eine Hatz auf den Täter von damals, der auch in der Gegenwart nicht untätig bleibt und neue Dinge plant. Eine untypische Heldengruppe formiert sich, die Mr. Mercedes endlich schnappen möchte.

Wie ich es fand

Zum Glück wieder sehr toll. Stephen King entwirft hier seine eigene Version von Thriller bzw. Krimi, mit allen klassischen Elementen wie Zeugenbefragungen, falschen Fährten etc., nur eben im typischen King-Stil.

Teilweise wirkten Details auf mich wie eine ironische Betrachtung des Themas. Die verruchte Blondine, der abgebrühte Ermittler – alles dabei. Nebenher beschreibt King eine typische amerikanische Stadt unserer Tage inmitten wirtschaftlicher Probleme und Umwälzungen in der Bevölkerung. Rezession und Wut auf die (Obama) Regierung inklusive.

Die Geschichte an sich ist nichts revolutionär Neues. All das habe ich bereits gelesen, Tat und Jagd. Das besondere in „Mr. Mercedes“ sind die Charaktere. Wie jeder einzelne ge- und beschrieben ist und mit den anderen interagiert ist so lebensecht, dass man sehr nah dran ist. Das trifft auf die „guten“ genau so zu wie auf Brady, den Täter im Buch. Egal wie abartig seine Taten sind und wie seltsam seine Neigungen – ich konnte halbwegs nachempfinden, weshalb er zu dem wurde, was er ist. Seine Vergangenheit wird nach und nach enthüllt. Sogar das ist manchmal anrührend.

Längen kommen nahezu nicht vor, nur auf einem Thema wird ein wenig zu sehr herumgedacht (Autoschlüssel). Einige Handlungsverläufe sind für geübte Leser eventuell etwas vorhersehbar konstruiert. Das ist bemängeln auf hohem Niveau, denn diese winzigen Makel werden durch die grandios unterhaltend gestaltete Schreibweise mehr als ausgeglichen.

Es handelt sich hier um den ersten Band einer Trilogie – Teil zwei steht schon im Regal, Teil drei wird folgen….wenn es so weitergeht, wird King wieder zu einem meiner Lieblingsautoren.

Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
Originaltitel: Mr. Mercedes
Originalverlag: Heyne
Paperback, Klappenbroschur, 608 Seiten, 13,5 x 20,6 cm
ISBN: 978-3-453-41901-8
€ 14,99 [D] | € 15,50 [A] | CHF 20,50* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: Heyne
Erschienen: 08.09.2015

Peter Høeg: Der Susan Effekt

Was ich erwartet habe

Høegs „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ ist mein Lieblingsbuch – für immer. Ich habe es mehrfach gelesen, gehört und sogar „Smillas Wohnort“ in Kopenhagen besucht.

An anderen Büchern des Autors bin ich leider regelmäßig gescheitert. „Der Plan von der Abschaffung des Dunkels“ abgebrochen, „Das stille Mädchen“ zweimal abgebrochen und schließlich doch irgendwie durchgequält…von seiner einstigen Glanzleistung war für meinen Geschmack nichts übrig geblieben. Pseudoreligiöser Quark mit zu großen Gedanken- und Handlungssprüngen.

Die Leseprobe von diesem Titel nun ließ mich hoffen. Ich verstand zumindest im Groben, worum es ging. Und wollte es dann noch einmal mit Peter Høeg wagen.

Worum es geht

Kopenhagen in der Gegenwart: Die Physikerin Susan und ihre Familie (Ehemann, Sohn, Tochter) sind frisch zurückgekehrt aus Indien. Dort hat jedes Familienmitglied auf seine Art Probleme mit der Justiz bekommen, weshalb alle vier kurz vor einem dauerhaften Gefängnisaufenthalt stehen.

Die dänischen Behörden bieten Hilfe an. In Form von Diplomatie auf dem kurzen Dienstweg könnten die Svendsons von allen Vorwürfen befreit werden – wenn sie denn eine Gegenleistung dafür erbringen. Die besteht im Besorgen von Informationen zu einer geheimen Unterorganisation der Regierung, betraut mit der Erforschung der Zukunft. Susan hat, genau wie ihr Mann, eine Superheldenfähigkeit. Mithilfe dieses Effektes auf andere Menschen (niemand kann ihr gegenüber lügen) soll sie die Behörden unterstützen.

Als die Mitglieder dieser Gruppierung allerdings nach und nach umkommen (natürlich nicht auf natürlichem Weg), gelangt Susan mitsamt Anhang zwischen die Fronten einer besonderen Auseinandersetzung.

Wie ich es fand

Dass das Thema Religion dieses Mal quasi nicht existent ist, bot für mich schon mal eine gute Grundlage. Stattdessen hagelt es physikalische Begriffe, Zusammenhänge und Erklärungen. Høeg leitet viel aus diesen ab (da ich von Physik keine Ahnung habe weiß ich nicht, ob ihm dieses gelingt).

Susans Denkweise ist unterhaltsam geschrieben; ähnlich wie Smilla ist sie recht ruppig und hat ihre eigenwillige Art auf die Dinge. Die Handlung schreitet gut voran und das gemeinsame Ermitteln der Familie bereitet so etwas wie Spaß. Das liegt vor allem an Kopenhagen. Kennt man die Stadt, kann man die Handlungsorte wie in einer Art Reiseführer mit im Kopf begleiten.

In Kombination mit der Sprache schafft der Autor eine recht schnelle Geschichte. Diese wird durch ruhige Momente gebrochen, wenn Susan und ihr Ehemann über die anstehende Scheidung sinnieren und wie es dazu kommen konnte. Der skurrile Touch (Mordinstrument Waschmaschine) ist ebenso vorhanden wie die übliche Kombination „Mensch mit besonderer Fähigkeit gegen allmächtige Obrigkeit“.

Nichts Neues also. Peter Høeg lässt die üblichen Mechanismen seiner Geschichten greifen. Das funktioniert und bedeutet nichts Nachteiliges. Nur hat es mich nicht so gepackt wie Smilla damals. Zum Ende hin wird es streckenweise konfus und eine klare Botschaft oder Aussage erschloss sich mir nicht. Man kann es lesen, muss aber nicht – vielleicht würde sich die Handlung als Film mehr entfalten als in reinen Worten.

Ganz aufgeben muss ich den Autor zum Glück nicht, es gibt Hoffnung.

  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag; Auflage: 1 (20. Januar 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499272032
  • ISBN-13: 978-3499272035
  • Originaltitel: Effekten af Susan
  • übersetzt aus dem Dänischen von Peter Urban-Halle

 

Lucinda Riley: Die sieben Schwestern

Was ich erwartet habe

Das übliche Riley-Setting: Familiendrama in zwei Zeitebenen; in diesem Fall der

Die sieben Schwestern von Lucinda Riley. Bild entstammt der offiziellen Verlagsseite

Auftakt einer siebenteiligen Serie. Meine Erwartungen war nicht hoch – Riley halt. Ich lese ihre Bücher, wenn es etwas Leichtes sein soll und ich nicht zu sehr nachdenken möchte über plausible Charaktere und Handlungen. „Lucinda Riley: Die sieben Schwestern“ weiterlesen

Maja Lunde: Die Geschichte der Bienen

Was ich erwartet habe

Es war einmal….ein Buch, das plötzlich vermehrt auf Instagram zu bewundern

Die Geschichte der Bienen von Maja Lunde / Bild entstammt der offiziellen Seite des Verlags

war. Auf vielen der von mir gefolgten Profilen tauchte das Buch von Maja Lunde auf, oft positiv besprochen und hoch gelobt. Die Thematik finde ich interessant, es handelt sich um eine skandinavische Autorin (Pluspunkt für mich) und ich vertraue auf viele der positiven Meinungen in den sozialen Medien.

„Maja Lunde: Die Geschichte der Bienen“ weiterlesen