Robert McCammon – Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal 1

1699, in der britischen Kolonie Fount Royal in den östlichen (heutigen) U.S.A.: Der Richter Issac Woodward soll gemeinsam mit seinem Gerichtsdiener Matthew Corbett einen Prozess führen – gegen die vermeintliche Hexe Rachel Howarth. Die beiden reisen in den Ort und wollen einfach ihre Arbeit tun. Doch es gibt offensichtliche Ungereimtheiten, sodass zumindest Matthew zweifelt und Ermittlungen anstellt. Ist Rachel wirklich eine Hexe, oder soll es nur so aussehen, als sei sie eine? „Robert McCammon – Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal 1“ weiterlesen

Christian Kracht – Imperium

Deutschland zur Kaiserzeit: August Engelhardt hat Großes vor. Er wandert aus, in die Kolonie Deutsch-Neuguinea, um dort ein neues Leben und gleich eine ganz neue Lebensart zu begründen. Ausschließlich von Kokosnüssen möchte er leben. Und einen Handel zwischen seiner neuen und der alten Heimat mit den Früchten aufziehen. Und sowieso ein viel besseres Leben führen als die machtstrebenden, militanten Deutschen.

Doch seine Pläne sind ambitioniert, vielleicht zu sehr. Engelhardt hat kurzzeitig Erfolg. Nach und nach geht er mehr in seiner Rolle als Öko-Einsiedler auf, wird wunderlich und abgeschiedener. Der friedliche Mann gleicht im Verlauf der Geschichte nicht mehr dem einstigen Idealisten, sondern einem Irren.

Das schmale Buch hat es in sich. Kracht fabuliert, formuliert und jongliert mit der Sprache, wie ich es bisher selten las. Ein komplett kunstvoller Text, der sich jedoch – seltsamerweise – flüssig lesen lässt. Die Geschichte ist eine Mischung aus Abenteuerroman, Aussteigergeschichte, Gesellschaftskritik und Historie. Diese Elemente passen wunderbar gut zusammen.

Manchmal – aber nur manchmal – war ich etwas erschlagen von derlei achterbahnigen Eskapaden. In diesen Passagen verlor Kracht mich etwas, um mich jedoch schnell wieder einzufangen. Soll heißen, dass sie dem Gesamtbild keinen Abbruch taten.

Falls man mich fragen würde, was ich letztendlich an Weisheiten aus diesem Buch ziehen konnte, könnte ich darauf gar nicht klar antworten. Vielleicht geht es im Kern um die Erreichung von Idealen. Um Hindernisse, welche die Umwelt immer wieder in den Weg wirft, damit dieser nicht zu glatt zum Ziel führt. Um das Scheitern. In erster Linie ist die Geschichte für mich ein perfektes Beispiel dafür, was man mit Sprache kreieren kann und wie sehr wir sie brauchen, um uns Fremdes erschaffen zu können.


  • Taschenbuch: 256 Seiten
  • Verlag: FISCHER Taschenbuch; Auflage: 6 (25. Juli 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596185351
  • ISBN-13: 978-3596185351

Becky Albertalli – Simon vs. the Homo Sapiens Agenda / Nur drei Worte

Bisher habe ich wenige „schwule“ Bücher gelesen, da mir oft schon die Klappentexte zu klischeehaft und billig vorkommen, sodass mir allein dadurch die Lust daran vergeht. Da dieses jüngst verfilmt wurde und mir der Trailer gefällt, wollte ich es einfach mal riskieren. Das Buch hatte ich als englisches Paperback begonnen und den Großteil dann im deutschen eBook gelesen.

Der titelgebende Simon ist 17, schwul, ungeoutet und sehr beschäftigt. Denn über eine Internetplattform wurde er auf einen anderen schwulen Jungen aufmerksam, mit dem er seit einiger Zeit regen E-Mail Austausch pflegt. So weit so gewöhnlich, aber: Die beiden Jungs kennen sich nur über diesen Weg. Obwohl sie auf die selbe Schule gehen, wissen nicht, wer sie in der Realität sind. Im Buch wird größtenteils Simons alltägliches Leben beschrieben und die Verwicklungen, die sich aus seinem größten Problem ergeben. Das darin besteht, dass er erpresst wird von einem Mitschüler, der über seine Homosexualität weiß. Und dann verliebt sich Simon langsam ernsthaft in seinen unbekannten E-Mailer…

Für diese Geschichte bin ich, leider, irgendwie zu alt. Ich kann nachvollziehen, weshalb das Buch sehr beliebt ist und durch die sozialen Medien gereicht wird und letztendlich auch ein Film daraus wurde. Nur hat die Mischung aus Rätselraten und Highschoolalltag bei mir nicht funktioniert. Simons Gedankengänge waren mir meist zu naiv und langweilig; im Kern geht es ständig nur darum:

-Simon leugnet, ein Problem mit Sachverhalt x oder Person y zu haben
-Simon hat natürlich doch ein Problem und verdrängt es sehr offensichtlich und in endlosen Gedankenmonologen
-Dazwischen tauscht er Mails mit seinem seelenverwandten Crush aus und wird immer abhängiger von diesem

Für eine gewisse Altersgruppe ist das sicherlich spannend und mitreißend. Nur habe ich persönlich schon weitaus besser ausgearbeitete innere Konflikte gelesen/gesehen, als dass ich diesen nun als herausragend empfinden würde. Leider langweilig. Zumal die üblichen Schulprobleme überwiegen. Fronten werden gebildet und zerschlagen, Gerüchte kursieren, es wird gemobbt.

Was mir jedoch gut gefiel, das muss ich dem Buch lassen, war der grundsätzlich normale Umgang mit dem Schwulsein. Simon ist sich selbst gegenüber geoutet. Er belügt sich nicht selber. Er weiß im Kern, was er will. Er hat keine Angst davor, dass seine Familie irgendwann Bescheid wissen wird. Er hat nur keine Lust, den Anfang zu machen mit den ständigen Erklärungen und Rechtfertigungen, für diese ist er noch nicht bereit. Dafür benötigter noch jemanden an seiner Seite.

Früh im Buch hatte ich eine Ahnung, wer dieser E-Mail schreibende Jemand sein könnte. Mit dieser lag ich falsch. Die relativ überraschende Wendung rettete meine Aufmerksamkeit wieder. Und zum Glück endet die Geschichte nicht einfach mit der großen Enthüllung, sondern begleitet die Figuren noch etwas weiter. 

Wenn der Film etwas mehr Tempo in die Geschichte bringt, die Figuren etwas weniger bemüht darstellt und den Ablauf etwas umstellt, kann er etwas werden. Die Vorlage selbst war leider keine herausragende für mich, sondern nur okay. 

gelesen vom 07.05. – 10.05.

Robert Menasse – Die Hauptstadt

Ein Mord ist geschehen in Brüssel, ein Schwein läuft frei herum. Und damit ist nicht der Täter gemeint, sondern ein wirkliches Schwein. Während es über die Straßen und Plätze der Stadt rennt, wird es von vielen Passanten gesehen. Unter anderem, nach und nach, auch von allen Protagonisten des Buches. So wirkt die Flucht des Tieres wie ein Startschuss der Geschichte: Hier beginnt er, der Gewinnerroman des Buchpreises 2017. „Robert Menasse – Die Hauptstadt“ weiterlesen