Stephen und Owen King – Sleeping Beauties

Mein Plan für Stephen King Bücher: Immer auf dem aktuellsten Stand sein, was die Neuerscheinungen betrifft. Demnach zog dieses natürlich bei mir ein und brannte immer stärker auf dem SuB. Jetzt kam es endlich dran. Ich hatte es lange nicht begonnen, da die 960 Seiten schon einiges an Lesezeit benötigen. Im Mai war es nun endlich so weit.

Der Ort Dooling, in den Apalachen gelegen, ist eine typisch amerikanische Kleinstadt mit allem was dazugehört. Nicht ganz so typisch ist wahrscheinlich die Frauenhaftanstalt, die einen zentralen Handlungsschauplatz bietet. Denn in diese wird eine unbekannte Frau überstellt. Von der Polizei auf den Namen „Evie“ getauft, ist sonst weiter nichts über sie bekannt. Der Grund für Ihren zukünftigen Aufenthaltsort liegt darin, dass sie ein Meth-Labor in die Luft gejagt und dadurch zwei Drogenbrauer auf dem Gewissen hat. Parallel zur ihrer Ankunft in Dooling bricht weltweit eine Krankheit aus. Nahezu alle Frauen schlafen nach und nach ein, die Männer bleiben allein zurück. Der weibliche Teil der Erdbevölkerung entschläft nicht nur, sondern verpuppt sich larvengleich und reagiert äußerst aggressiv, falls man(n) zur Befreiung schreitet. Was natürlich passiert.

Nach und nach wird klar, was passiert. Evie ist mächtig und stellt die Menschen vor die Wahl: Wollen sie eine neue Welt schaffen, in der es friedlicher als in der aktuellen zugeht, oder wollen sie ihre alte Welt wieder zurück? Doch damit die Entscheidung greifen kann, muss noch eine Voraussetzung erfüllt werden – Evie muss überleben. Denn eine Horde aggressionsbereiter Männer macht sich auf den Weg Richtung Gefängnis, um die scheinbar immune Frau zu finden und sie als vermeintliche Ursache/Abhilfe der Schlafkrankheit zu bestrafen.

Was die beiden Kings hier massetechnisch abliefern, lässt sich bequem als Türstopper oder Baumaterial verwenden. Die 960 Seiten sieht und fühlt man dem wunderschön gestalteten Buch direkt an.  Das Gewicht ist beeindruckend, sodass ich teilweise Schwierigkeiten hatte, es beim Lesen sinnvoll zu halten. Irgendwann hatte ich mich daran gewöhnt und entsprechend arrangiert. Meine Arme tun auch jetzt, Tage nach dem Beenden, noch ein wenig weh 😉

Das Buch habe ich als sehr ungewöhnlich empfunden. Denn es startet, anders als die mir bekannten King-Werke, sehr direkt und schnell. In kurzen Kapitel springt die Handlung zwischen den vielen vielen Charakteren umher (das Namensverzeichnis befindet sich direkt zu Beginn, was für mich auch notwendig war).  Es gibt keine langwierige Einleitung, sondern es knallt sofort. Die Inszenierung orientiert sich eher an modernen TV-Serien als an klassischen Buchplots. Das funktionierte einige hundert Seiten ganz wunderbar für mich. Doch dann…ging den Autoren die Puste aus. 

Nach ca. 40% lahmt die Handlung und steckt teilweise sogar fest. Der Wust an Figuren weiß nichts mehr mit sich anzufangen, entwickelt sich nicht weiter und langweilte mich daher. Durch die zuvor schnelle Erzählweise hatte ich bisher keinen richtigen Bezug zu irgendeiner Figur aufbauen können. Das ergab sich für den gesamten Rest dann auch nicht mehr. Ohne zu viel zu verraten – weite Strecken drehen sich um Kampfhandlungen, die minutiös beschrieben werden. Für mich persönlich ist so etwas immer unnötig und langweilig; es läuft mir kein Film vor dem inneren Auge ab oder Ähnliches. Stattdessen blättere ich dann gern mal ein paar Seiten vor oder lese zumindest unaufmerksamer. So auch hier. Das Tempo und die Dichte des Anfangs hat die Geschichte für mich im weiteren Verlauf nicht mehr erreichen können.

Die Handlung selbst wirkt wie eine überzeichnete Version der Wirklichkeit. Wenn man sie wie eine ironische Abhandlung liest, kommt man wahrscheinlich besser mit den Übertreibungen zurecht. Nahezu alle Frauen sind Opfer und geschunden; nahezu alle Männer sind böse, haben zumindest gewalttätige Tendenzen und sind nicht sonderlich intelligent. Dieses Setting funktioniert nur unter dieser Betrachtungsweise. Alles andere wäre zu naiv gedacht. Und davon gehe ich bei den Autoren freundlicherweise einfach mal nicht aus. Zum Glück gab es keinen wirklichen religiösen Einschlag, den ich anfangs noch befürchtet hatte. Vielmehr starke Fantasyeinschübe (wobei, ist Religion nicht auch Fantasy…). Nicht alles wird abschließend aufgeklärt, sodass Platz für eigene Interpretationen bleibt. 

Der Leser und die Leserin bekommen in diesem Buch eine Mischung aller Elemente, die King gern verarbeitet: Kleinstadtleben, Gefängnis, Sucht, Seuchen, Gewalt, Ekel, Familiendrama, Drogen, Alkohol, naive Menschen, Waffen etc. Ich vermisste allerdings die gewohnte Tiefe. Durch die große Bandbreite war es teilweise oberflächlich und belanglos für mich, nichts konnte mich wirklich mitnehmen. Sehr schade. Denn die Grundidee hatte Potential. Das Ende fand ich zunächst sehr einfach und langweilig. Mittlerweile passt es zum Gesamtbild und unterstreicht meine Meinung einer Art Parodie auf die Wirklichkeit. 

Letztendlich ein mittelmäßiges Buch – kein totaler Flop, jedoch auch keine Pflichtlektüre. Wer alles lesen möchte von ihm, kommt sicher nicht daran vorbei. Ich wundere mich nicht, wenn uns zu diesem Titel irgendwann eine Serie präsentiert wird. Denn die Vorlage wäre perfekt dafür und schon auffallend so aufgebaut. 


Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt 
Originaltitel: Sleeping Beauties
Originalverlag: Scribner
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 960 Seiten, 15,0 x 22,7 cm
ISBN: 978-3-453-27144-9
€ 28,00 [D] | € 28,80 [A] | CHF 38,90* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: Heyne
Erschienen:  13.11.2017


gelesen vom 01.05. – 27.05.

Stefan Bachmann – Palast der Finsternis

Was ich erwartet habe

Bisher hatte ich nichts von Stefan Bachmann gelesen, jedoch die glühenden Fans und Besprechungen seiner beiden schon erschienenen Titel mitbekommen. Sie stehen noch ungelesen im Regal.

Aufgrund dieser Lorbeeren rückte seine Neuerscheinung in meinen Fokus; Verlag und Cover taten ihr übriges, und so musste es einziehen.

Worum es geht

Die Handlung findet auf zwei Zeitebenen statt: In der Gegenwart werden fünf Jugendliche von einem großen Unternehmen ausgewählt, um einen unterirdischen Palast aus der Zeit der Französischen Revolution zu erforschen bzw. zu erkunden.

In der Vergangenheit (eben kurz vor/während der Revolution) wird erzählt, wie eine adlige Familie in Verbindung zu diesem Palast steht.

Nach und nach werden die Zusammenhänge der beiden Ebenen klarer und man erfährt, warum und wozu das Gebäude erbaut wurde und wie die gegenwärtigen Jugendlichen eine Verbindung zu ihm haben.

Was ich bekommen habe

Eine Art „Tribute von Panem“, gemischt mit historischem Setting light und letztendlich vielen Fragezeichen.

Diogenes hat hier überraschenderweise ein Jugendbuch ins Programm genommen, welches ich bei anderen Verlagen so erwartet hätte. Meine Vorstellung ging aufgrund Diogenes anfangs eher in Richtung gediegener Abenteuerroman mit jungen Erwachsenen. Die Vorstellung hat sich nicht erfüllt.

Alle Charaktere blieben für mich seltsam blass und unsympathisch. So wenig wie sie selbst wissen, wo ihr Platz in der Geschichte ist, habe ich als Leser es erfahren. Stattdessen hangeln sie sich von Raum zu Raum des Palastes, umgehen Fallen, werden mal mehr und mal weniger gejagt.

Hauptprotagonistin Anouk ist dabei schrecklich pubertär anti-alles. Außer Andeutungen über ihre gemeine Familie werden jedoch keine weiterführenden Hintergründe genannt (oder ich habe sie nicht verstanden). Die restlichen Personen wackeln ihr hinterher, ohne sich dabei sonderlich interessant hervorzutun.

Lichtblick sind die Rückblicke in die Vergangenheit. Hier sind die Figuren interessanter gehalten. Das täuscht nicht darüber hinweg, dass ich der Geschichte selten folgen und besonders viel Logisches abgewinnen konnte. Immer wieder verlor ich den Faden. Zwischen pseudo-poetischen Passagen und den üblichen Hetzjagden blieb nicht viel Faszination übrig.

Die Auflösung an sich ist im Bereich Horror/Science-Fantasy anzusiedeln und theoretisch interessant. Der Weg dorthin gefiel mir nur leider überhaupt nicht. So hoffe ich, dass mir seine anderen beiden Bücher besser gefallen werden.

Gut

Nicht so gut

-Grundidee
-Setting
-wirre Umsetzung
-unsympatische Charaktere
-Logiklöcher

Aus dem Amerikanischen von Stefanie Schäfer
Diogenes Verlag
320 Seiten 
erschienen am 23. August 2017
ISBN 978-3-257-60805-2
€ (D) 14.99 / sFr 19.00* / € (A) 14.99

Stephen King + Peter Straub: Das schwarze Haus

Was ich erwartet habe

Nachdem ich durch den Vorgänger (Der Talisman) endlich wieder zu Stephen King geführt wurde, habe ich sehr viel erwartet. Der erste Teil der bisher zweiteiligen Reihe wird für immer zu meinen Favoriten gehören. Dementsprechend gespannt war ich auf die Fortsetzung. Auch, weil ich teilweise kritische Meinungen gehört hatte. Ich beschloss zur Sicherheit, meine Erwartungen daher etwas zurückzuschrauben. „Stephen King + Peter Straub: Das schwarze Haus“ weiterlesen

Die Krone der Sterne

Es kommt mir so bekannt vor….

Was ich erwartet habe

Kai Meyer und ich haben schon eine längere gemeinsame Historie, quasi. Angefangen mit den beiden Gebrüder-Grimm Romanen, las ich im Lauf der Jahre viele seiner Bücher. Ich liebe „Die Alchimistin“ und die Sturmkönige-Trilogie und die Arkadien Trilogie. Seine älteren Stand-Alone Titel aus dem historischen Bereich habe ich gefressen. In den letzten Jahren verlor ich ein wenig den Bezug und das Interesse. Die Geschichten wurden immer mehr auf ein weibliches junges Publikum zugeschnitten und dümpelten gefühlt im Twilight Schatten herum. „Die Seiten der Welt“ mochte ich gar nicht mehr (mir kam alles sehr aus anderen, buchbezogenen Geschichten „entliehen“ vor). „Die Krone der Sterne“ weiterlesen