Stephen King + Peter Straub: Das schwarze Haus

Was ich erwartet habe

Nachdem ich durch den Vorgänger (Der Talisman) endlich wieder zu Stephen King geführt wurde, habe ich sehr viel erwartet. Der erste Teil der bisher zweiteiligen Reihe wird für immer zu meinen Favoriten gehören. Dementsprechend gespannt war ich auf die Fortsetzung. Auch, weil ich teilweise kritische Meinungen gehört hatte. Ich beschloss zur Sicherheit, meine Erwartungen daher etwas zurückzuschrauben. „Stephen King + Peter Straub: Das schwarze Haus“ weiterlesen

Stephen King: Mr. Mercedes

Was ich erwartet habe

Die Festigung meiner neu entdeckten Zuneigung zu Büchern von Stephen King. Es war ein spannendes Vorhaben: Finde ich auch andere Bücher von ihm toll, neben dem grandiosen „Der Talisman“?

Die grobe Rahmenhandlung kannte ich aus anderen Besprechungen, zum Glück war ich nicht großartig gespoilert. Nur beim Genre war ich mir noch unsicher. Ob Krimi oder Thriller/ ob realistisch oder mit übersinnlichen Elementen, war mir nicht bekannt.

Worum es geht

Ein Attentäter rast, in einem Mercedes sitzend, in eine Menschenmenge. Es gibt viele Opfer, der Täter entkommt unerkannt. Trotz intensiver Ermittlungen wird er nicht gefasst.

Jahre später ist einer der damals ermittelnde Polizisten, Bill Hodges, pensioniert. In Ehren entlassen, nur der Fall des Mercedes Killers ist ungelöst. Bill kommt mit seinem neuen, untätigen Leben nicht wirklich gut zurecht. Da erhält er eine Nachricht von Mr. Mercedes – dieser stört sich daran, dass Bill Hodges von allen als erfolgreicher Ex-Cop angesehen wird. Dabei war er aus seiner Sicht nicht erfolgreich – schließlich konnte er ihn nicht fassen.

Es beginnt eine Hatz auf den Täter von damals, der auch in der Gegenwart nicht untätig bleibt und neue Dinge plant. Eine untypische Heldengruppe formiert sich, die Mr. Mercedes endlich schnappen möchte.

Wie ich es fand

Zum Glück wieder sehr toll. Stephen King entwirft hier seine eigene Version von Thriller bzw. Krimi, mit allen klassischen Elementen wie Zeugenbefragungen, falschen Fährten etc., nur eben im typischen King-Stil.

Teilweise wirkten Details auf mich wie eine ironische Betrachtung des Themas. Die verruchte Blondine, der abgebrühte Ermittler – alles dabei. Nebenher beschreibt King eine typische amerikanische Stadt unserer Tage inmitten wirtschaftlicher Probleme und Umwälzungen in der Bevölkerung. Rezession und Wut auf die (Obama) Regierung inklusive.

Die Geschichte an sich ist nichts revolutionär Neues. All das habe ich bereits gelesen, Tat und Jagd. Das besondere in „Mr. Mercedes“ sind die Charaktere. Wie jeder einzelne ge- und beschrieben ist und mit den anderen interagiert ist so lebensecht, dass man sehr nah dran ist. Das trifft auf die „guten“ genau so zu wie auf Brady, den Täter im Buch. Egal wie abartig seine Taten sind und wie seltsam seine Neigungen – ich konnte halbwegs nachempfinden, weshalb er zu dem wurde, was er ist. Seine Vergangenheit wird nach und nach enthüllt. Sogar das ist manchmal anrührend.

Längen kommen nahezu nicht vor, nur auf einem Thema wird ein wenig zu sehr herumgedacht (Autoschlüssel). Einige Handlungsverläufe sind für geübte Leser eventuell etwas vorhersehbar konstruiert. Das ist bemängeln auf hohem Niveau, denn diese winzigen Makel werden durch die grandios unterhaltend gestaltete Schreibweise mehr als ausgeglichen.

Es handelt sich hier um den ersten Band einer Trilogie – Teil zwei steht schon im Regal, Teil drei wird folgen….wenn es so weitergeht, wird King wieder zu einem meiner Lieblingsautoren.

Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
Originaltitel: Mr. Mercedes
Originalverlag: Heyne
Paperback, Klappenbroschur, 608 Seiten, 13,5 x 20,6 cm
ISBN: 978-3-453-41901-8
€ 14,99 [D] | € 15,50 [A] | CHF 20,50* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: Heyne
Erschienen: 08.09.2015