Dörte Hansen – Altes Land

Nachdem mir „Mittagsstunde“ gut gefiel, wollte ich endlich Hansens Erstling lesen. Ich habe das Buch als für mich kostenloses Leseexemplar vom Verlag erhalten. Vielen Dank dafür.

Altes Land war (und ist) omnipräsent im Buchhandel. Kein Regal, in dem es nicht irgendwo prominent platziert ist und mitgenommen werden möchte – sogar eine Verfilmung ist in Arbeit. In letzter Zeit stimmt mich solche Überflutung regelmäßig etwas misstrauisch. Es gab einfach schon zu viele Beispiele an hochgeworbenen Luftnummern. Zum Glück ist es in diesem Fall ein verdienter Massenansturm auf das Buch, wie zumindest ich finde.

Die Geschichte spielt überwiegend auf einem Gehöft im namensgebenden „Alten Land“ bei Hamburg. Auf diesem lebt Vera, alleinstehende und etwas schroffe Person, die einst als Flüchtlingskind aus Ostpreußen mit ihrer Mutter dort strandete. Und blieb. Vera ist nicht vollständig angepasst in der Dorfgemeinschaft und dennoch inzwischen fest verankert. In ihr Leben tritt eines Tages Anne, ihre Nichte aus Hamburg. Sie bringt einen kleinen Sohn mit und möchte bei Vera, nach einer Trennung, unterkommen. Die beiden Frauen müssen sich zusammenraufen.

Nun gibt es diese Art von Konstrukt – zwei unterschiedliche Charaktere nähern sich einander an, was anfangs nicht funktioniert – in vielen anderen Geschichten bereits. Und Filmen. Und allen anderen erdenklichen Medien auch. Angenehmerweise steht das Element in diesem Buch jedoch nicht im Mittelpunkt. Auf dem Buchrücken wirkt es noch so aber nein, in Wirklichkeit verstehen sich die beiden Frauen von Anfang an relativ gut. Krisen gibt es an anderen Stellen, mit anderen Familienmitgliedern.

Zudem geht es nicht ausschließlich um die beiden. Die Erzählungen erfolgen aus Sicht vieler verschiedener Charaktere aus dem Umfeld des Hofes (Nachbarn, Zugereiste). Statt einer überpräsenten Familienchronik erhielt ich hier eher eine Bestandsaufnahme der Region. Stark im Fokus steht der Unterschied Stadt- und Landleben und die Romantisierung bzw. Industrialisierung der ländlichen Sehnsüchte gestresster Städter. Hansen wird in diesen Passagen zynisch, oft sogar ungefiltert lästernd böse. Für mich die besten Passagen, da sie ungefiltert und einfach nur ehrlich sind. Wenn sich der Fotograf auf der Jagd nach kuscheligen Landszenen fast übergibt, als er der Herstellung von Rehwurst beiwohnen darf – wundervoll.

Dankbar bin ich auch, dankbar für das Fehlen von kitschigen, aufgesetzten Liebesgeschichten. Die Autorin bremst, sobald es allein in die Nähe dieses Terrains gehen könnte. Was dem Buch überaus gut tut.

Nein, hier handelt es sich definitiv um keinen klassischen Heimatroman. Auf moderne Art trifft die Beschreibung dennoch zu, da es auf jeder Seite um „Heimat“ geht. Nicht in physischer Form, sondern um das individuelle Gefühl von Heimat. Welches für jeden anders ist und sich nicht in Formen pressen lässt. Hansen ist es gelungen, zumindest eine Andeutung dessen zwischen ihre Seiten zu streuen. 


Originaltitel: Altes Land
Originalverlag: Knaus, München 2015
Taschenbuch, Broschur, 304 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-328-10012-6

Jo Nesbø- Macbeth

Ich habe dieses Buch als kostenloses Leseexemplar vom Verlag erhalten, vielen Dank dafür. Die im Folgenden niedergeschriebene Meinung ist die Meine.

Vor Shakespeare habe ich Respekt. Zu groß ist der Name, als dass ich jemals etwas von ihm gelesen hätte oder wirklich werde. Wenn seine Stoffe jedoch in eine moderne und besser verständliche Form gebracht werden, rücken sie dadurch in Greifnähe für mich. Im Rahmen des sogenannten Hogharth Shakespeare Projektes nehmen sich aktuelle Autoren nach und nach die Werke des großen Vorbildes an und übertragen diese in ihre Versionen der Geschichten. Hier also Nesbø mit Macbeth. Das Buch kommt mir sehr gelegen, da ich seit einiger Zeit eine andere moderne Version der Vorlage als Hörbuch konsumiere und so Vergleich ziehen kann, obwohl ich das hunderte von Jahren alte Original nicht kenne.  „Jo Nesbø- Macbeth“ weiterlesen