Kathleen Collins – Nur einmal (Kampa)

Dieses Buch habe ich, auf meine Anfrage hin, als kostenloses Leseexemplar vom Verlag erhalten. Vielen Dank dafür.

Seit 1988 ist die Autorin verstorben, und zu ihren Lebzeiten wurde sie kaum beachtet. Dabei war sie überaus aktiv; politisch und als Regisseurin, als Schriftstellerin von Stücken und eben auch von Shortstories. Außerdem war sie Mutter einer Tochter. Die sich eines Tages traute, den Koffer im Nachlass von Kathleen zu öffnen und dort auf viel Material stieß. Die dort unter anderem  vergrabenen Kurzgeschichten wurden zunächst in den U.S.A. und durch Kampa  nun auch bei uns veröffentlicht. 16 Geschichten umfasst diese Sammlung und ein Nachwort von Daniel Kampa. „Kathleen Collins – Nur einmal (Kampa)“ weiterlesen

Dörte Hansen – Altes Land

Nachdem mir „Mittagsstunde“ gut gefiel, wollte ich endlich Hansens Erstling lesen. Ich habe das Buch als für mich kostenloses Leseexemplar vom Verlag erhalten. Vielen Dank dafür.

Altes Land war (und ist) omnipräsent im Buchhandel. Kein Regal, in dem es nicht irgendwo prominent platziert ist und mitgenommen werden möchte – sogar eine Verfilmung ist in Arbeit. In letzter Zeit stimmt mich solche Überflutung regelmäßig etwas misstrauisch. Es gab einfach schon zu viele Beispiele an hochgeworbenen Luftnummern. Zum Glück ist es in diesem Fall ein verdienter Massenansturm auf das Buch, wie zumindest ich finde.

Die Geschichte spielt überwiegend auf einem Gehöft im namensgebenden „Alten Land“ bei Hamburg. Auf diesem lebt Vera, alleinstehende und etwas schroffe Person, die einst als Flüchtlingskind aus Ostpreußen mit ihrer Mutter dort strandete. Und blieb. Vera ist nicht vollständig angepasst in der Dorfgemeinschaft und dennoch inzwischen fest verankert. In ihr Leben tritt eines Tages Anne, ihre Nichte aus Hamburg. Sie bringt einen kleinen Sohn mit und möchte bei Vera, nach einer Trennung, unterkommen. Die beiden Frauen müssen sich zusammenraufen.

Nun gibt es diese Art von Konstrukt – zwei unterschiedliche Charaktere nähern sich einander an, was anfangs nicht funktioniert – in vielen anderen Geschichten bereits. Und Filmen. Und allen anderen erdenklichen Medien auch. Angenehmerweise steht das Element in diesem Buch jedoch nicht im Mittelpunkt. Auf dem Buchrücken wirkt es noch so aber nein, in Wirklichkeit verstehen sich die beiden Frauen von Anfang an relativ gut. Krisen gibt es an anderen Stellen, mit anderen Familienmitgliedern.

Zudem geht es nicht ausschließlich um die beiden. Die Erzählungen erfolgen aus Sicht vieler verschiedener Charaktere aus dem Umfeld des Hofes (Nachbarn, Zugereiste). Statt einer überpräsenten Familienchronik erhielt ich hier eher eine Bestandsaufnahme der Region. Stark im Fokus steht der Unterschied Stadt- und Landleben und die Romantisierung bzw. Industrialisierung der ländlichen Sehnsüchte gestresster Städter. Hansen wird in diesen Passagen zynisch, oft sogar ungefiltert lästernd böse. Für mich die besten Passagen, da sie ungefiltert und einfach nur ehrlich sind. Wenn sich der Fotograf auf der Jagd nach kuscheligen Landszenen fast übergibt, als er der Herstellung von Rehwurst beiwohnen darf – wundervoll.

Dankbar bin ich auch, dankbar für das Fehlen von kitschigen, aufgesetzten Liebesgeschichten. Die Autorin bremst, sobald es allein in die Nähe dieses Terrains gehen könnte. Was dem Buch überaus gut tut.

Nein, hier handelt es sich definitiv um keinen klassischen Heimatroman. Auf moderne Art trifft die Beschreibung dennoch zu, da es auf jeder Seite um „Heimat“ geht. Nicht in physischer Form, sondern um das individuelle Gefühl von Heimat. Welches für jeden anders ist und sich nicht in Formen pressen lässt. Hansen ist es gelungen, zumindest eine Andeutung dessen zwischen ihre Seiten zu streuen. 


Originaltitel: Altes Land
Originalverlag: Knaus, München 2015
Taschenbuch, Broschur, 304 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-328-10012-6

Sarah Perry – Nach mir die Flut

Ich habe das Buch als für mich kostenfreies Rezensionsexemplar erhalten – vielen Dank dafür. Die folgende Meinung ist meine eigene und dadurch nicht beeinflusst.

Nun ist das erste, von Sarah Perry veröffentlichte Buch auch bei uns erschienen. Darauf war ich sehr gespannt, denn ihr „Die Schlange von Essex“ wird ein ewiges Highlight für mich bleiben, so sehr hatte es mich beeindruckt.  „Sarah Perry – Nach mir die Flut“ weiterlesen

Juli Zeh – Neujahr

Das Buch habe ich als kostenfreies Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten – vielen vielen Dank dafür. 

Henning, seine Frau Theresa und ihre beiden Kinder machen Urlaub auf Lanzarote. Über die Weihnachts- und Silvestertage. Es ist Neujahr, und Henning fährt alleine per Rad einen Berg hinauf. Dabei lässt er die vergangenen Tage, sein bisheriges Leben und seine Familie in Gedanken Revue passieren. Als er oben ankommt, geht es ihm nicht gut. Bis ihm dort oben langsam alles hochkommt und er begreift, was in seinem Leben schief gegangen ist. „Juli Zeh – Neujahr“ weiterlesen

Oliver Pötzsch – Der Spielmann (Faustus I)

Das Buch habe ich kostenfrei als Rezensionsexemplar vom Verlag erhalten (über NetGalley). Vielen Dank dafür 🙂

Mir war seit einiger Zeit wieder nach einem Roman mit historischem Setting, da kam dieser gerade richtig. Denn schon lang wollte ich die Henker-Reiher von Oliver Pötzsch beginnen und mich mit dem Autor beschäftigen. Nun habe ich stattdessen mit dem neuesten Werk angefangen. Auch eine Art von Reihenfolge. 

„Oliver Pötzsch – Der Spielmann (Faustus I)“ weiterlesen