Peter Høeg: Der Susan Effekt

Was ich erwartet habe

Høegs „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ ist mein Lieblingsbuch – für immer. Ich habe es mehrfach gelesen, gehört und sogar „Smillas Wohnort“ in Kopenhagen besucht.

An anderen Büchern des Autors bin ich leider regelmäßig gescheitert. „Der Plan von der Abschaffung des Dunkels“ abgebrochen, „Das stille Mädchen“ zweimal abgebrochen und schließlich doch irgendwie durchgequält…von seiner einstigen Glanzleistung war für meinen Geschmack nichts übrig geblieben. Pseudoreligiöser Quark mit zu großen Gedanken- und Handlungssprüngen.

Die Leseprobe von diesem Titel nun ließ mich hoffen. Ich verstand zumindest im Groben, worum es ging. Und wollte es dann noch einmal mit Peter Høeg wagen.

Worum es geht

Kopenhagen in der Gegenwart: Die Physikerin Susan und ihre Familie (Ehemann, Sohn, Tochter) sind frisch zurückgekehrt aus Indien. Dort hat jedes Familienmitglied auf seine Art Probleme mit der Justiz bekommen, weshalb alle vier kurz vor einem dauerhaften Gefängnisaufenthalt stehen.

Die dänischen Behörden bieten Hilfe an. In Form von Diplomatie auf dem kurzen Dienstweg könnten die Svendsons von allen Vorwürfen befreit werden – wenn sie denn eine Gegenleistung dafür erbringen. Die besteht im Besorgen von Informationen zu einer geheimen Unterorganisation der Regierung, betraut mit der Erforschung der Zukunft. Susan hat, genau wie ihr Mann, eine Superheldenfähigkeit. Mithilfe dieses Effektes auf andere Menschen (niemand kann ihr gegenüber lügen) soll sie die Behörden unterstützen.

Als die Mitglieder dieser Gruppierung allerdings nach und nach umkommen (natürlich nicht auf natürlichem Weg), gelangt Susan mitsamt Anhang zwischen die Fronten einer besonderen Auseinandersetzung.

Wie ich es fand

Dass das Thema Religion dieses Mal quasi nicht existent ist, bot für mich schon mal eine gute Grundlage. Stattdessen hagelt es physikalische Begriffe, Zusammenhänge und Erklärungen. Høeg leitet viel aus diesen ab (da ich von Physik keine Ahnung habe weiß ich nicht, ob ihm dieses gelingt).

Susans Denkweise ist unterhaltsam geschrieben; ähnlich wie Smilla ist sie recht ruppig und hat ihre eigenwillige Art auf die Dinge. Die Handlung schreitet gut voran und das gemeinsame Ermitteln der Familie bereitet so etwas wie Spaß. Das liegt vor allem an Kopenhagen. Kennt man die Stadt, kann man die Handlungsorte wie in einer Art Reiseführer mit im Kopf begleiten.

In Kombination mit der Sprache schafft der Autor eine recht schnelle Geschichte. Diese wird durch ruhige Momente gebrochen, wenn Susan und ihr Ehemann über die anstehende Scheidung sinnieren und wie es dazu kommen konnte. Der skurrile Touch (Mordinstrument Waschmaschine) ist ebenso vorhanden wie die übliche Kombination „Mensch mit besonderer Fähigkeit gegen allmächtige Obrigkeit“.

Nichts Neues also. Peter Høeg lässt die üblichen Mechanismen seiner Geschichten greifen. Das funktioniert und bedeutet nichts Nachteiliges. Nur hat es mich nicht so gepackt wie Smilla damals. Zum Ende hin wird es streckenweise konfus und eine klare Botschaft oder Aussage erschloss sich mir nicht. Man kann es lesen, muss aber nicht – vielleicht würde sich die Handlung als Film mehr entfalten als in reinen Worten.

Ganz aufgeben muss ich den Autor zum Glück nicht, es gibt Hoffnung.

  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag; Auflage: 1 (20. Januar 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499272032
  • ISBN-13: 978-3499272035
  • Originaltitel: Effekten af Susan
  • übersetzt aus dem Dänischen von Peter Urban-Halle

 

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