Stephen King: Mr. Mercedes

Was ich erwartet habe

Die Festigung meiner neu entdeckten Zuneigung zu Büchern von Stephen King. Es war ein spannendes Vorhaben: Finde ich auch andere Bücher von ihm toll, neben dem grandiosen „Der Talisman“?

Die grobe Rahmenhandlung kannte ich aus anderen Besprechungen, zum Glück war ich nicht großartig gespoilert. Nur beim Genre war ich mir noch unsicher. Ob Krimi oder Thriller/ ob realistisch oder mit übersinnlichen Elementen, war mir nicht bekannt.

Worum es geht

Ein Attentäter rast, in einem Mercedes sitzend, in eine Menschenmenge. Es gibt viele Opfer, der Täter entkommt unerkannt. Trotz intensiver Ermittlungen wird er nicht gefasst.

Jahre später ist einer der damals ermittelnde Polizisten, Bill Hodges, pensioniert. In Ehren entlassen, nur der Fall des Mercedes Killers ist ungelöst. Bill kommt mit seinem neuen, untätigen Leben nicht wirklich gut zurecht. Da erhält er eine Nachricht von Mr. Mercedes – dieser stört sich daran, dass Bill Hodges von allen als erfolgreicher Ex-Cop angesehen wird. Dabei war er aus seiner Sicht nicht erfolgreich – schließlich konnte er ihn nicht fassen.

Es beginnt eine Hatz auf den Täter von damals, der auch in der Gegenwart nicht untätig bleibt und neue Dinge plant. Eine untypische Heldengruppe formiert sich, die Mr. Mercedes endlich schnappen möchte.

Wie ich es fand

Zum Glück wieder sehr toll. Stephen King entwirft hier seine eigene Version von Thriller bzw. Krimi, mit allen klassischen Elementen wie Zeugenbefragungen, falschen Fährten etc., nur eben im typischen King-Stil.

Teilweise wirkten Details auf mich wie eine ironische Betrachtung des Themas. Die verruchte Blondine, der abgebrühte Ermittler – alles dabei. Nebenher beschreibt King eine typische amerikanische Stadt unserer Tage inmitten wirtschaftlicher Probleme und Umwälzungen in der Bevölkerung. Rezession und Wut auf die (Obama) Regierung inklusive.

Die Geschichte an sich ist nichts revolutionär Neues. All das habe ich bereits gelesen, Tat und Jagd. Das besondere in „Mr. Mercedes“ sind die Charaktere. Wie jeder einzelne ge- und beschrieben ist und mit den anderen interagiert ist so lebensecht, dass man sehr nah dran ist. Das trifft auf die „guten“ genau so zu wie auf Brady, den Täter im Buch. Egal wie abartig seine Taten sind und wie seltsam seine Neigungen – ich konnte halbwegs nachempfinden, weshalb er zu dem wurde, was er ist. Seine Vergangenheit wird nach und nach enthüllt. Sogar das ist manchmal anrührend.

Längen kommen nahezu nicht vor, nur auf einem Thema wird ein wenig zu sehr herumgedacht (Autoschlüssel). Einige Handlungsverläufe sind für geübte Leser eventuell etwas vorhersehbar konstruiert. Das ist bemängeln auf hohem Niveau, denn diese winzigen Makel werden durch die grandios unterhaltend gestaltete Schreibweise mehr als ausgeglichen.

Es handelt sich hier um den ersten Band einer Trilogie – Teil zwei steht schon im Regal, Teil drei wird folgen….wenn es so weitergeht, wird King wieder zu einem meiner Lieblingsautoren.

Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
Originaltitel: Mr. Mercedes
Originalverlag: Heyne
Paperback, Klappenbroschur, 608 Seiten, 13,5 x 20,6 cm
ISBN: 978-3-453-41901-8
€ 14,99 [D] | € 15,50 [A] | CHF 20,50* (* empfohlener Verkaufspreis)
Verlag: Heyne
Erschienen: 08.09.2015

Peter Høeg: Der Susan Effekt

Was ich erwartet habe

Høegs „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ ist mein Lieblingsbuch – für immer. Ich habe es mehrfach gelesen, gehört und sogar „Smillas Wohnort“ in Kopenhagen besucht.

An anderen Büchern des Autors bin ich leider regelmäßig gescheitert. „Der Plan von der Abschaffung des Dunkels“ abgebrochen, „Das stille Mädchen“ zweimal abgebrochen und schließlich doch irgendwie durchgequält…von seiner einstigen Glanzleistung war für meinen Geschmack nichts übrig geblieben. Pseudoreligiöser Quark mit zu großen Gedanken- und Handlungssprüngen.

Die Leseprobe von diesem Titel nun ließ mich hoffen. Ich verstand zumindest im Groben, worum es ging. Und wollte es dann noch einmal mit Peter Høeg wagen.

Worum es geht

Kopenhagen in der Gegenwart: Die Physikerin Susan und ihre Familie (Ehemann, Sohn, Tochter) sind frisch zurückgekehrt aus Indien. Dort hat jedes Familienmitglied auf seine Art Probleme mit der Justiz bekommen, weshalb alle vier kurz vor einem dauerhaften Gefängnisaufenthalt stehen.

Die dänischen Behörden bieten Hilfe an. In Form von Diplomatie auf dem kurzen Dienstweg könnten die Svendsons von allen Vorwürfen befreit werden – wenn sie denn eine Gegenleistung dafür erbringen. Die besteht im Besorgen von Informationen zu einer geheimen Unterorganisation der Regierung, betraut mit der Erforschung der Zukunft. Susan hat, genau wie ihr Mann, eine Superheldenfähigkeit. Mithilfe dieses Effektes auf andere Menschen (niemand kann ihr gegenüber lügen) soll sie die Behörden unterstützen.

Als die Mitglieder dieser Gruppierung allerdings nach und nach umkommen (natürlich nicht auf natürlichem Weg), gelangt Susan mitsamt Anhang zwischen die Fronten einer besonderen Auseinandersetzung.

Wie ich es fand

Dass das Thema Religion dieses Mal quasi nicht existent ist, bot für mich schon mal eine gute Grundlage. Stattdessen hagelt es physikalische Begriffe, Zusammenhänge und Erklärungen. Høeg leitet viel aus diesen ab (da ich von Physik keine Ahnung habe weiß ich nicht, ob ihm dieses gelingt).

Susans Denkweise ist unterhaltsam geschrieben; ähnlich wie Smilla ist sie recht ruppig und hat ihre eigenwillige Art auf die Dinge. Die Handlung schreitet gut voran und das gemeinsame Ermitteln der Familie bereitet so etwas wie Spaß. Das liegt vor allem an Kopenhagen. Kennt man die Stadt, kann man die Handlungsorte wie in einer Art Reiseführer mit im Kopf begleiten.

In Kombination mit der Sprache schafft der Autor eine recht schnelle Geschichte. Diese wird durch ruhige Momente gebrochen, wenn Susan und ihr Ehemann über die anstehende Scheidung sinnieren und wie es dazu kommen konnte. Der skurrile Touch (Mordinstrument Waschmaschine) ist ebenso vorhanden wie die übliche Kombination „Mensch mit besonderer Fähigkeit gegen allmächtige Obrigkeit“.

Nichts Neues also. Peter Høeg lässt die üblichen Mechanismen seiner Geschichten greifen. Das funktioniert und bedeutet nichts Nachteiliges. Nur hat es mich nicht so gepackt wie Smilla damals. Zum Ende hin wird es streckenweise konfus und eine klare Botschaft oder Aussage erschloss sich mir nicht. Man kann es lesen, muss aber nicht – vielleicht würde sich die Handlung als Film mehr entfalten als in reinen Worten.

Ganz aufgeben muss ich den Autor zum Glück nicht, es gibt Hoffnung.

  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag; Auflage: 1 (20. Januar 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499272032
  • ISBN-13: 978-3499272035
  • Originaltitel: Effekten af Susan
  • übersetzt aus dem Dänischen von Peter Urban-Halle

 

Ragdoll

Was ich erwartet habe

Die meisten Bücher habe ich genretechnisch im Krimibereich gelesen. Mankell/Nesbo/Edwardson/Nesser – fast alle habe ich gesuchtet. Irgendwann erschien in dem Bereich nichts interessantes mehr für mich. Zu viele Kopien der früheren Geschichten, ich hatte mich sattgelesen. Nur die Reihe von Hjorth und Rosenfeldt fand ich noch gut. „Ragdoll“ weiterlesen

Wir haben schon immer im Schloss gelebt

Von Schlössern und den Menschen darin

Coverabbildung mit freundlicher Genehmigung des Verlages

Im Rahmen einer Aktion konnte ich das eBook sehr günstig ergattern – der ideale Zeitpunkt, etwas von der Autorin anzutesten. In letzter Zeit tauchte sie immer mal wieder an meinem Bildschirmrand auf. Erst später habe ich recherchiert, dass es sich bei diesem Titel um ihr letztes veröffentlichtes Werk handelt. Es kam 1962 heraus. Nur drei Jahre später verstarb Shirley Jackson. „Wir haben schon immer im Schloss gelebt“ weiterlesen